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Was ist ein Fertighaus? - Die Grundlagen verständlich erklärt

In einfachen Worten stellt ein Fertighaushersteller Einzelteile in Produktionshallen fertig und liefert diese zum Grundstück, um sie vor Ort in wenigen Tagen zu einem Haus zusammenzusetzen. Per Definition ist ein Fertighaus ein Haus bestehend aus industriell und witterungsunabhängig gefertigten Bauteilen wie Wand- und Deckenelementen, das auf einem Fundament (Bodenplatte oder Kellerdecke) errichtet wird.

Der am häufigsten genutzte Baustoff dafür ist Holz, es gibt aber auch Möglichkeiten mit Beton oder Leichtbeton (Blähton) zu bauen. All diese Materialien haben hervorragende Dämmeigenschaften. Trotzdem kommen moderne Häuser in Fertigbauweise nicht mehr ohne zusätzliche Dämmschichten aus. Diese werden direkt bei der Fertigung im Werk in Wände und Decken integriert. So erzielt ein konventionelles Fertighaus bereits gute Werte hinsichtlich seines Energieverbrauchs.

Wissenswertes und Grundlagen zum Fertigbau

In Deutschland wird bereits jeder fünfte Neubau in Fertigbauweise errichtet. In Österreich machen Fertighäuser rund ein Drittel der neuen Wohnbebauung aus. Die Massivbauweise ist zwar der noch bevorzugte Weg, das Eigenheim zu bauen, doch sind die Vorteile der Fertigbauweise unverkennbar.

Energieeffizientes Bauen ist heutzutage durch die EnEV (Energieeinsparverordnung) für alle Wohnhäuser gesetzlich vorgeschrieben. Fertighausanbieter optimieren ihre Häuser im Hinblick auf Energiewerte schon lange und sind in dieser Disziplin führend.

Zudem ist ein Fertighaus die schnellste Art zu seinem eigenen Haus zu kommen. Je nach Größe, individuellen Wünschen und Herstellern vergehen zwischen fünf und neun Monate von der konkreten Planung bis zur Übergabe. Je mehr sich vorfertigen lässt und je größer die Wandelemente sind, desto schneller kann das Haus vor Ort errichtet werden. Während das Fundament noch aushärtet, beginnt bereits die Konstruktion der einzelnen Elemente, in denen – je nach Bauweise – von der Elektrik über die Gas- und Wasserversorgung bis zur Dämmung bereits die wesentliche Ausstattung verbaut ist. Die großformatigen Bauteile werden mit computergesteuerten Maschinen vorgefertigt und vor Ort wird das Fertighaus dann üblicherweise in ein bis drei Tagen montiert. Für den Innenausbau werden dann je nach Hersteller und Eilbedürftigkeit zwei Wochen bis höchstens zwei Monate benötigt. Dann ist Übergabe eines trockenen, sofort bewohnbaren Hauses.

Auch Fertigteile aus Mauerwerk, Beton, Lehm, Stahl oder Systembausteinen sind auf dem Fertighausmarkt nicht unüblich. Welche Bauweise hinter der Fassade steckt, sieht man nur, wenn genau dies beabsichtigt ist. Denn es gibt kaum einen Baustil, der nicht bedient wird. Selbst ausgefallene Wünsche erfüllen viele Anbieter - so sind die meisten Fertighäuser heutzutage individuell geplant und auf die Bedürfnisse und Vorstellungen des Kunden zugeschnitten.

Abgrenzung zu Massivhaus und Architektenhaus

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Aufgrund dieser breiten Angebotspalette, den Möglichkeiten der Individualisierung und den unterschiedlichen Bauweisen ist eine begriffliche Abgrenzung zu Häusern in herkömmlicher Bauweise schwer und Bezeichnungen wie Architektenhaus oder Massivhaus teilweise irreführend.

  1. Unter einem Massivhaus versteht man häufig ein klassisch Stein auf Stein gebautes Haus, das ohne einen hohen Grad an Vorfertigung vor Ort auf der Baustelle errichtet wird.
  2. Mit dem Begriff Architektenhaus wird häufig die Tatsache unterstrichen, dass das Haus zusammen mit einem unabhängigen Architekten individuell geplant wurde und von meist verschiedenen Baufirmen für die unterschiedlichen Gewerke errichtet wird.

Diese Begriffe lassen jedoch außer Acht, dass auch Massivhäuser teilweise vorgefertigte Elemente beinhalten können oder dass auch Architekten nicht selten auf gewisse Vorlagen und Hausmodelle zurückgreifen, die jeweils entsprechend angepasst werden.

Bei Fertighausanbietern verhält es sich ebenfalls nicht immer so, dass ein Muster modifiziert wird. Einige Hersteller bieten ihrerseits an, Häuser auf Basis der individuellen Bedürfnisse von Grund auf mit einem hauseigenen Architekten zusammen neu zu planen und trotzdem in Fertigbauweise mit allen entsprechenden Vorteilen vorzufertigen. Zudem gibt es auch Fertighaushersteller, die zumindest Teilelemente in Massivbauweise errichten.

Die Grenzen sind heutzutage also fließend und letztendlich ist es entscheidend, dass der Baupartner Ihre individuellen Bedürfnisse voll abdecken kann.

Die Vor- und Nachteile eines Fertighauses

Fertighaus Vorteile

  • Planungs- und Preissicherheit

  • Witterungsunabhängige Fertigung

  • Kurze Bauzeit

  • Hohe Energieeffizienz

  • Nachhaltige Baustoffe

  • Alles aus einer Hand Service

Fertighaus Nachteile

  • Teilweise weniger Gestaltungsfreiheit

  • Geringere Flexibilität beim Aufbau

  • Ausbaustufe Bausatzhaus nur selten möglich

  • Verminderter Schallschutz

  • Anfälliger gegen starke Witterungen

  • Mitunter geringerer Wiederverkaufswert

Wie fertig ist „fertig“? - Die verschiedenen Ausbaustufen des Fertighauses

Nicht alle Fertighäuser entstehen am Fließband und nicht jedes Fertighaus wird „schlüsselfertig“ übergeben. Und selbst „schlüsselfertig“ kann unterschiedliche Fertigungsgrade bedeuten. Diese reichen von dem Punkt, dass Sie noch selber tapezieren, streichen oder einen Boden verlegen bis zu einem All-Inclusive-Paket, bei dem nach der Übergabe nur noch die Möbel und Einrichtungsgegenstände fehlen. Bei manchen Herstellern helfen auch Innenarchitekten bei der Innenraumgestaltung und Möbel werden auf Maß angefertigt.

Allgemein gilt: Je größer der Eigenanteil, desto geringer fällt der Hauspreis aus.

Die meisten Hausanbieter unterteilen ihre Angebote häufig in folgende drei Ausbaustufen:

    1. Schlüsselfertiges Fertighaus - häufig bezugsfertig, in manchen Fällen sind Boden- und Wandarbeiten selbst zu leisten

    Ob ein Haus „fast fertig“, „schlüsselfertig“, „bezugsfertig“ oder gar vollkommen eingerichtet ist, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung und dem Leistungsangebot des einzelnen Anbieters ab. Hier lohnt es sich, das Angebot genau zu lesen und die Leistungen mit dem Hersteller abzustimmen.

    2. Ausbauhaus - witterungsbeständiges Haus mit unfertigem Innenausbau

    Wenn bei dem Haus bei Übergabe noch grundlegende Arbeiten selbst zu übernehmen sind, spricht man von einem „Ausbauhaus“. Auch hier gibt es verschiedene Fertigungsgrade. Gerade wenn Sie nur mit einem geringeren Budget planen, finden Sie so einen Weg, den Traum vom Haus Wirklichkeit werden zu lassen. Solche Häuser sind bedeutend günstiger und bieten zudem viel Raum für individuelle Noten. Sie können beispielsweise nichttragende Innenwände selber in Trockenbauweise einziehen, selber Leitungen oder einen Boden verlegen. Das spart Geld auf Kosten eigener Arbeitszeit.

    Wenn Sie handwerkliches Geschick besitzen, sich ein solches Projekt zutrauen und auf helfende Familienmitglieder und Freunde zurückgreifen können, wird in einigen Wochen Arbeit aus dem Ausbauhaus ein bezugsfertiger Neubau erschaffen.

    3. Bausatzhaus - Bauleute erhalten alle Baumaterialien und setzen das Haus selbst zusammen mit Unterstützung durch den Hersteller

    Die geringste Ausbaustufe ist das Bausatzhaus. Wobei Sie noch lange nicht jedes Haus als Bausatz kaufen können. Tatsächlich ist dieser Anteil sogar sehr klein und nur wenige Anbieter haben sich auf diese Nische spezialisiert. Der weit überwiegende Anteil der Fertighäuser ist in Holzständer- oder Holztafelbauweise gefertigt und muss von Profis montiert werden.

    Prädestiniert für den Selbstbau sind Häuser in Blockbohlenbauweise. Dabei kann es sich entweder um ganze Baumstämme handeln oder große kantige Bohlen, wie sie beispielsweise von Häusern aus dem alpinen Raum oder dem Schwarzwald bekannt sind. Allerdings sollten Sie im Umgang mit einem Kran geübt sein.

    Auch Fertighäuser in Massivbauweise gibt es als Bausatz. Grundlage sind hier Wandelemente, die aufeinandersetzt werden. Sie sind zumeist hohl und werden einmal aufgestellt mit Beton gefüllt.

    Diese Arbeiten selbst durchzuführen birgt Risiken. Nicht nur solche, sich beim Bau oder jemand anderes zu verletzen, sondern auch Patzer wie Materialbeschädigung oder falsche Zusammensetzung. Jeder falsche Bauschritt kann desaströse Ausmaße annehmen.

Bauweisen für das Fertighaus - Tafel- und Ständerbau dominieren den Fertighausmarkt

Auch wenn es Fertighäuser auch in Massivbauweise gibt, machen diese einen sehr kleinen Teil aus. Hierfür werden - was bei gewerblich genutzten Gebäuden häufig vorkommt - Betonfertigteile vor Ort zusammengefügt. Doch auch Wände in Ziegelbauweise können vorgefertigt und vor Ort zu einem Haus zusammengesetzt werden. Der weit überwiegende Teil aller Fertighäuser wird in Holzbauweise gefertigt. Der wesentliche Unterschied zwischen den Holzbauweisen liegt in dem Grad der Vorfertigung.

Die verschiedenen Holzbauweisen vorgestellt:

    Holztafelbau & Rahmenbauweise

    Der Holztafelbau ist die vermutlich bekannteste Bauweise für Fertighäuser. Grundlage bilden ein mit Holztafeln beplankter Holzrahmen. Die Holztafeln sind entscheidend für die Statik des Hauses. Elektroleitungen, Türen und Fenster werden häufig schon im Werk in die fertigen Einzelteile aus Holz und Beton eingebaut. Auch Versorgungsleitungen und Dämmung sind bereits in den Wänden an Ort und Stelle. Selbst Decken und Dächer lassen sich auf diese Weise vorfertigen. So entsteht in kürzester Zeit ein Haus.

    Die Holzrahmenbauweise ist in den USA die für Einfamilienhäuser übliche Bauweise.

    Holzständerbau & Skelettbauweise

    Eine andere ebenfalls weit verbreitete Bauweise ist der Holzständerbau. Er blickt in Deutschland auf eine lange Tradition zurück. Schon Fachwerkhäuser beruhen auf der Ständerbauweise. Querstreben reichen von der Schwelle bis zum Dach (meist in tragenden Wänden) und sorgen für die nötige Stabilität des Ständerwerks. Während beim traditionellen Fachwerkbau diese sich so ergebenden Fächer („Gefache“) mit Stein oder Lehm verfüllt wurden, wird heutzutage gerne Glas verwendet,um ein offenes, lichtdurchflutetes Wohnerlebnis zu erreichen.

    Blockbauweise

    Häuser in Blockbohlenbauweise beruhen auf gestapelten Holzbohlen. Bei diesen kann es sich entweder um ganze Baumstämme oder um zugeschnittene Kanthölzer handeln. Diese werden passend aufeinander gestapelt und fest miteinander verbunden. Das massive Holz hat eine hohe Dämmwirkung, dennoch werden die Wände von innen verkleidet. So verschwinden Kabel- und Versorgungsleitungen aus dem Blickfeld. So können auch äußerlich rustikale wirkende Häuser im Inneren eine hochmoderne Optik erhalten.

Massive Fertighäuser

Es gibt Fertighäuser auch aus Stein- und Betonfertigteilen, diese machen aber nur einen kleinen Bereich auf dem Fertighausmarkt aus. Dennoch gibt es sie und auch sie bieten Raum für eine persönliche Gestaltung. Bei Gewerbeimmobilien sind vorgefertigte Betonteile eine ganz übliche Praxis. Manche Bauherren vertrauen lieber auf massiv gemauerte Wände und entscheiden sich vorschnell gegen ein Fertighaus. Doch selbst Wände aus Stein und Zement lassen sich vorfertigen, so dass auch massive Häuser innerhalb kürzester Zeit errichtet werden können.

Welche Bauweise oder welche Ausbaustufe in einem Haus steckt, sieht man diesen in den meisten Fällen nicht an. Auch Blockhäuser können schlüsselfertig übergeben werden. Holzleichtbauweise kann sich auch hinter einer Fassade aus Mauerwerk verstecken. Selbst die Bauweisen für optisch ähnliche Häuser können sich je nach Hersteller unterscheiden.

Die Geschichte des Fertighausbaus

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Das Wolgasthaus ist unbestritten der Stammvater des deutschen Fertighauses und wurde bereits in den 1890er Jahren industriell vorgefertigt. Wolgasthäuser waren „zerlegbar“, wie es in einem Prospekt aus dem Jahr 1892 steht. Und so konnten die Häuser, in Einzelteile zerlegt, bis nach Deutsch-Ostafrika und Südamerika exportiert werden. 1893 wurde auf der Weltausstellung in Chicago ein Wolgasthaus aufgebaut, anschließend zurücktransportiert und in Bad Ischl wieder aufgebaut, wo es noch heute steht. Um 1900 gab es also so etwas wie einen „Hype“, was die Wolgasthäuser betrifft. Dutzende dieser Holzfertighäuser gibt es auch heute noch und die meisten davon stehen unter Denkmalschutz.

Zu Zeiten der Industrialisierung kam dann die Idee auf, in kurzer Zeit viel Wohnraum zu schaffen. Die architektonischen Vordenker der Bauhausbewegung trieben die Idee mit dem Konzept des modularen Bauens entscheidend voran. Doch konnte sich die Fertigbauweise erst Mitte des Zwanzigsten Jahrhundert durchsetzen. Auf der einen Seite stehen Raumzellenbauweise und Containerbauweise, wie man sie im Plattenbau nach wie vor sieht, auf der anderen Seite steht die Verwirklichung des Traums vom „Häuschen im Grünen“, den sich ab den 1950er Jahren immer mehr Bürger verwirklichten, da sie ihn nun auch wirtschaftlich stemmen konnten.

Alsbald bekamen Fertighäuser den Ruf vom „Haus von der Stange“. Auch heute noch kommt dieses Klischee vielen in den Sinn, wenn sie Fertighaus hören. Auch wenn das am Fließband gefertigte Haus der ursprünglichen Idee entspricht, so wird es der Praxis mittlerweile nicht mehr gerecht. Der weit überwiegende Teil aller Fertighäuser wird nach den persönlichen Wünschen der Bauherren geplant und gefertigt. Auch deswegen wächst der Fertighausmarkt kontinuierlich.

Was stimmt wirklich? Wir klären die größten Irrtümer

Fazit

Ein Haus in Fertigbauweise ist schnell errichtet, wird mit nur einem Partner gebaut und besitzt hervorragende Energieeigenschaften. Moderne, neugebaute Fertighäuseräuser können dem gewünschten Stil optisch angepasst werden und trotzdem auf aktuelle, staatlich geförderte Energiestandards setzen.

Mit Vertragsabschluss zum Bau eines solchen Hauses werden die Einhaltung der Bauzeit und alle vereinbarten Leistungen garantiert. Sie können somit den Hausbau sehr genau kalkulieren und organisieren.

So entsteht ein Fertighaus

Infografik zu Ablauf und Ressourcen für die Fertighausproduktion
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