Keine erhöhte Brandgefahr bei Fertighäusern

Holz brennt, das ist klar. Schließlich hat jeder schon einmal ein Lagerfeuer gemacht oder er hat sogar das Vergnügen eines offenen Kamins in eigenen Haus. Daraus aber zu schließen, dass ein Holzhaus oder ein Fertighaus - und nichts anderes ist ein Fertighaus schließlich - schlechtere Brandschutzeigenschaften haben soll, als ein Haus aus Steinen, ist schlichtweg falsch. Niemals würden in der BRD Schulen und Kindergärten in Holzbauweise, wie sie immer mehr in Mode kommen, bauamtlich genehmigt, wenn das Bauen mit Holz höhere Risiken für Leib und Leben mit sich bringen würde.

Holzhausbau brennt nicht häufiger als Massivhaus

Zum einen brennt ein Haus in Holzbauweise auch nicht häufiger als ein Haus in Massivbauweise. Dies beweist eine schwedische Studie aus dem Jahr 1994. Zum anderen sind die Ursachen eines Brandes ohnehin nicht bei der Konstruktion zu suchen. Das erste, das anfängt zu brennen, ist die Inneneinrichtung - diese bildet also die größte Brandgefahr. Und sie wird in Brand gesteckt durch den unsachgemäßen Umgang mit offenem Feuer oder leicht entzündlichen Flüssigkeiten. Innerhalb weniger Minuten stehen Gardinen, Teppiche, Bodenbeläge, Möbelbekleidungen und Paneele aus Kunststoff in Flammen. Ob es sich dabei um ein Fertig- oder Massivhaus handelt, ist völlig egal. Das größte Problem ist beim Brand der Inneneinrichtung auch nicht das Feuer. Die Haupttodesursache ist nicht der Tod durch Verbrennung, sondern durch Erstickung oder Rauchvergiftung. Hervorgerufen durch das Verbrennen der oben genannten Teile aus Kunststoff, die in jeder Inneneinrichtung zu finden sind. Daher ist es auf jeden Fall sinnvoll, selbst Brandschutz zu betreiben und Rauchmelder in den Zimmern oder ein Rauchmeldesystem im Haus zu installieren, wie es in Norwegen bereits gesetzlich vorgeschrieben ist.

Bauteil aus Holz im Brandfall häufig günstiger als Stahl

Die Baukonstruktionen "beteiligen" sich, wie bereits erwähnt, sehr viel später am Brandgeschehen. Hier kann ein Bauteil aus Holz sogar wesentlich günstiger als beispielsweise eines aus Stahl sein. Holz brennt zwar, doch gleichzeitig bildet sich an der Oberfläche eine Holzkohleschicht mit geringer Wärmeleitfähigkeit. Dadurch wird das Vordringen des Brandes in das Bauteilinnere von Holzhäusern oder Fertighäusern deutlich verlangsamt. Die Tragfähigkeit des Bauteils bleibt somit auch länger vorhanden. Im Gegensatz dazu knickt ein Stahlträger bei Erreichen eines bestimmten Hitzegrades ohne Vorwarnung einfach weg und das Gebäude stürzt im ungünstigsten Fall von einer Sekunde auf die andere ein.

Die Kernfrage ist: Wie lange leisten die verbauten Baustoffe Widerstand gegen das Feuer? Eine Feuerwiderstandsdauer von dreißig Minuten läßt sich für das Holzständerwerk eines Fertighauses ohne weiteres bewerkstelligen. Niemand hält sich aber in einem brennenden Haus 30 Minuten lang auf. Durch eine Beplankung mit Gipskartonplatten oder anderen nichtbrennbaren Werkstoffen, die übrigens alle in eine Feuerwiderstandsklasse eingeteilt sind, läßt sich sogar eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten erreichen. Wenn nicht brennbare Oberflächen vorhanden sind, beschränkt sich ein Brand oft auf ein Zimmer. Auch hier zeigt wiederum die schwedische Studie, die sich der Daten schwedischer Versicherungsgesellschaften bediente, dass die Sanierbarkeit bei Fertighäusern genauso problemlos möglich ist, wie bei Massivhäusern.

Versicherung zahlt auf jeden Fall

Falls bei einem Brand das komplette Haus abbrennt, was statistisch gesehen bei Fertighäusern nicht häufiger geschieht als bei Massivhäusern, kann es dem einen wie dem anderen Hausbesitzer egal sein, ob sein Haus nun aus Holz oder Stein gebaut wurde. Die Versicherung zahlt sowieso den Wiederaufbau. Dabei sind aber die Besitzer von Fertighäusern wahrscheinlich sogar im Vorteil. Bei einem Massivhaus bleibt eine Gebäudehülle zurück, die nicht mehr saniert werden kann und deshalb abgerissen werden muss. Die Kosten hierfür trägt der Hauseigentümer und nicht die Versicherung, was die wenigsten Hausbesitzer wissen. Von Fertighäusern bleibt nach einem Feuer meist nicht mehr so viel übrig, so dass die Kosten für die Entsorgung der Gebäudereste sehr viel geringer sind, wenn auch die Gesetzgebung über die Entsorgung von Altholz beachtet werden muss.

Zusammenfassend läßt sich daher sagen: Keiner, der sich in der heutigen Zeit für den Baustoff Holz entscheidet, muss auf Brandsicherheit verzichten. Mittlerweile haben auch die Landesbauordnungen und die Gebäudeversicherer erkannt, dass moderne Holzhäuser keine erhöhte Brandgefahr bedeuten. Selbst mehrgeschossige Gebäude besonderer Art und Nutzung wie beispielsweise Schulen sind nach der neuen Musterbauordnung in Holzbauweise möglich. Auch die meisten Versicherungen machen keinen Unterschied mehr zwischen Holzhaus und Steinhaus. Und wenn für eine Feuerversicherung dennoch höhere Prämien gefordert werden, so macht der Versicherungskonzern einfach nur Kasse mit einem Vorurteil, das von einigen Massivbauern hartnäckig dahergebetet wird.

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