Eigenleistungen - wie Sie Ihre Baukosten drücken können

"Muskelhypothek", ein Schlagwort aus den 70er Jahren, ist immer noch eine effektive, wenngleich auch anstrengende Möglichkeit, die Baukosten zu verringern. Ausschlaggebend für sinnvolle Eigenleistungen sind: handwerkliches Geschick, ausreichend Zeit, Wahl der Baukonstruktion, Verfügbarkeit der Baumaschinen und Werkzeuge, Anzahl der Helfer. Nach Klärung dieser Rahmenbedingungen muss geprüft werden, wo das größte Einsparpotential liegt.

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Gesamtkosten

Dafür muss man wissen, wie sich die Gesamtkosten eines Wohnhauses zusammensetzen. Dies wird am Beispiels für ein freistehendes Einfamilienhaus, voll unterkellert und in Massivbauweise errichtet, dargestellt. Die Tabelle zeigt auf, welcher Anteil der Kosten beim Baumaterial und welcher bei den Lohnkosten liegt. Nun kann jeder Bauherr selbst ausrechnen, was er eventuell in Eigenarbeit erledigen und wieviel Geld er damit sparen kann.

Gewerk

%-Anteil an den Baukosten

davon Lohnanteil in %

Erd-, Mauer- und Betonarbeiten4355
Zimmerarbeiten2,547
Dachdecker340
Flaschner1,535
Fenster und Türen635
Heizung727
Sanitär542
Elektro250
Estrich253
Bodenbeläge455
Fliesen1,836
Putzer1030
Maler1,860
Schlosser0,543
Reinigung0,180
Sonstiges 9,8

 

Rohbau

Aus der nebenstehenden Tabelle geht klar hervor, daß bereits die Hälfte der Baukosten in den Gewerken für den Rohbau verschwindet (Erd-, Mauer-, Beton-, Zimmerarbeiten, Dachdecker, Flaschner). Da hier der Lohnkostenanteil ebenfalls erheblich ist, werden sich Eigenleistungen stark bemerkbar machen. Aber Achtung: Viele der Arbeiten verlangen ein Fachwissen, spezielle Maschinen und Werkzeuge. Es wäre völlig unrealistisch, beispielsweise die Erdarbeiten in Handarbeit auszuführen und den Fundamentbeton als Eigenleistung in der Maschine zu mischen. Konzentrieren Sie sich auf Arbeiten, die ohne größere technische Hilfsmittel auskommen und die bei zeitlichen Verzögerungen die nachfolgenden Gewerke nicht behindern, zum Beispiel:

  • Graben von Rohrgräben
  • Verlegen von Abwasserleitungen einschließlich Einsanden
  • Mauern von nichttragenden Innenwänden
  • Mithilfe beim Abbund des Dachstuhls. Hier kann auch bei der richtigen Konstruktion auf den Einsatz von Holzschutzmitteln verzichtet werden. Das ist umweltfreundlich und spart Kosten.
  • Handlangerdienste beim Dachdecken und bei der Lattung.

Ausbau

Vor allem bei den Ausbau-Gewerken kann der Bauherr je nach handwerklichem Geschick viel selbst machen und dabei Geld sparen. Wichtig ist, daß er weiß, was er sich zutrauen kann. Wer sich hier überschätzt, zahlt in aller Regel drauf. Seien Sie also sehr kritisch mit sich - und mit Helfern die behaupten: "Das kann ich schon".

Türen und Fenster

Selbst Türen zu fertigen wird niemand ernsthaft überlegen, der Einbau der Türen hingegen ist von einem durchschnittlich begabten Heimwerker machbar. Damit das reibungslos klappt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Breite und Höhe der Türen müssen ein Normmaß haben. Als Türrahmen sind Umfassungszargen zu wählen. Der umweltbewußte Bauherr wird darauf achten, daß keine Schäume, sondern eine mechanische Befestigung in Verbindung mit Pflanzenfasern verwendet werden.

Elektroarbeiten

Beim Verlegen von Elektroleitungen fallen viele einfache Arbeiten an. Vereinbaren Sie mit dem Elektroinstallateur einen Sonderpreis dafür, daß Sie z.B. die Leitungsschlitze selbst fräsen.

Bodenbeläge

Verlegen der Bodenbeläge ist einer der letzten Arbeitsgänge im Bauablauf und muss exakt ausgeführt werden Sie können den Bodenbelag direkt nach dem handwerklichen Geschick oder der Vorliebe für ein bestimmtes Material aussuchen. Beim Verlegen eines Holzbodens aus Holzdielen beträgt die Einsparung der Lohnkosten etwa 35 Euro pro Quadratmeter. Nochmals fünf Euro kommen hinzu, wenn Sie den Boden selbst ölen und wachsen.

Fliesen verlegen

Fliesen verlegen ist längst kein technisches Geheimnis mehr. Man kann nicht nur beim Verlegen in Eigenleistung Geld sparen (ca. 25 Euro pro Quadratmeter), sondern auch damit, daß man Restposten verwendet. Hochwertiges Material ist oft für weniger als 10 Euro/Quadratmeter zu haben. Dies gilt natürlich auch für Natursteine wie Granit, Marmor etc.

Malerarbeiten

Malerarbeiten dürften die wohl häufigsten und beliebtesten Eigenleistungen sein. Aber auch hier will sparen gut vorbereitet sein. Nicht jede Billigfarbe ist für jeden Untergrund geeignet. Günstig sind Innenputze, die mit Silikatfarben gestrichen werden können. Tapeten können so ganz entfallen und Silikatfarben können beliebig oft überstrichen werden. Sehr viel einfacher malt es sich übrigens mit hochwertigen Farben.

Gruppenbau

Wenn die bei den Grundstücken angesprochenen Lösung zum Kauf von Gemeinschaftsflächen schon Geld spart, dann macht sich das bei den Eigenleistungen nochmals bezahlt. Mehrere Gruppen können parallel zueinander verschiedene Arbeiten durchführen. Neben der Zeitersparnis können auch bessere Konditionen bei großen Mengen ausgehandelt werden. Lassen Sie sich beim Baustoffhändler ein Baukonto einrichten, das mit der Summe der gekauften Materialien einen wachsenden Nachlaß auf die Listenpreise festlegt. Auch über Lieferung "frei Haus" läßt sich dann verhandeln.

Fazit

Eigenarbeit bedeutet nur dann eine Kostenersparnis, wenn der Bauherr tatsächlich das handwerkliche Geschick und die Zeit hat, bestimmte Arbeiten selbst und zum richtigen Zeitpunkt zu erledigen. Wenn das nicht klappt, hängt der ganze Zeitplan, und das wird teuer. Auf dem Markt sind heute viele Baustoffe, die auf Eigenleistung zugeschnitten sind, auch bestimmte Konstruktionen eignen sich dafür besonders gut.

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