Energiestandards im Fokus: Passivhaus, KfW-Effizienzhaus, Nachhaltigkeit

Von Celine Hausenstein Am 25. Juli 2019

Nachhaltigkeit spielt beim Bauen heutzutage eine immer größere Rolle. Das liegt nicht nur an einem insgesamt gestiegenen Umweltbewusstsein und Fortschritten in der Bauchtechnologie, sondern vor allem an den immer schärfer werdenden Gesetzen. Das im Jahr 2020 eingeführte Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist ein wichtiges rechtliches Instrument, um die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Gerade für Neubauten gelten strenge Richtlinien für die Energieeffizienz.

Fertighausanbieter und zunehmend auch Massivhaushersteller bieten diverse Möglichkeiten an, Energie einzusparen, zu speichern und auch zu erzeugen. Sie nehmen auf dem Gebiet eine Vorreiterrolle ein, weil sie bereits vor gesetzlichen Verschärfungen an ihren Produktkatalogen und Energiesparlösungen gefeilt haben.

Auf der Suche nach Energiesparhäusern, werden Sie immer wieder auf Begriffe wie „Passivhaus” „Niedrigenergiehaus“ „Nullenergiehaus“ oder „KfW-Effizienzhaus 40“ stoßen. Das sind keine zufällig gewählten Werbebegriffe, sondern beschreiben die Energiestandards von Häusern. Weil man sich darunter zunächst wenig vorstellen kann, erklären wir Details zu den verschiedenen Standards und zeigen, was hinter diesen Bezeichnungen steckt.

Das Niedrigenergiehaus wird zum Standard

Ein Niedrigenergiehaus hat einen Heizwärmebedarf von 40 bis 80 kWh/(m²a). Das ist im Prinzip der Standard jedes Neubaus, der mit den einfachsten Mitteln zu erreichen ist. Andere Häuser mit einem höheren Bedarf werden praktisch nicht mehr gebaut. Im Vergleich zu zahlreichen Bestandsbauten ist der Primärenergiebedarf schon niedrig, jedoch gibt es auch noch weitaus effizientere Bauweisen. Man muss sich jedoch mit den Details beschäftigen, denn auch weitaus sparsamere Häuser werden mitunter als „Niedrigenergiehäuser“ bezeichnet, so dass es sich als Oberbegriff etabliert hat.

Jeder Neubau ist ein Niedrigenergiehaus
Jedes Haus, das heutzutage neu gebaut wird, ist automatisch ein Niedrigenergiehaus.
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Im Passivhaus Energie optimal nutzen

Das Konzept hinter einem Passivhaus ist, dass das Haus seine in ihm erzeugte Energie nutzt und vor allem erhält. Das bedeutet, dass der Wärmebedarf, vor allem aus passiven Quellen gespeist wird. Dazu zählen Sonnenwärme, Abwärme von Geräten, Körperwärme oder Hitze, die beim Kochen entsteht. Diese Wärme soll weitgehend im Haus gehalten werden.

Eine gewöhnliche Heizung, die „aktiv“ heizt, ist nicht erforderlich. Dafür bedarf es nicht nur einer dicken Dämmung und dichten Außenhülle, die dafür sorgen, dass im Winter wenig Wärme verloren geht und im Sommer wenig hineinströmt. Zudem wird ein ausgeklügeltes Belüftungssystem benötigt, da ein Luftaustausch natürlich unabdingbar ist, um abgestandene Luft und Feuchtigkeit abzutransportieren. Gleichzeitig sollte der damit einhergehende Wärmeverlust minimiert werden.

Ganz ohne Heizung kommt ein Passivhaus dennoch nicht aus. Schließlich wollen Sie nicht auf Warmwasser verzichten und ein Handtuchtrockner im Badezimmer ist ebenfalls stets willkommen. Deswegen ergänzen häufig Wärmepumpen oder kleine Pelletheizungen die passive Energiegewinnung. Eine Süd-Ausrichtung des Hauses ist ebenfalls von entscheidendem Vorteil, da dies die Sonnenausbeute deutlich erhöht und so hilft, die Energieeffizienz zu steigern.

Beim Passivhaus ist nicht der Primärenergiebedarf das Maß aller Dinge, sondern der Heizenergiebedarf. Damit ein Haus den Passivhaus-Standard erhält, darf der Heizwärmebedarf 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht übersteigen.

So sparsam ist ein Passivhaus
Im Vergleich zu einem Niedrigenergiehaus nach dem GEG benötigt ein Passivhaus 80 Prozent weniger Heizenergie, im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude über 90 Prozent. Umgerechnet in Heizöl kommt ein Passivhaus im Jahr mit weniger als 1,5 l pro Quadratmeter aus.
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Eine ausgeglichene Bilanz mit dem Nullenergiehaus

Das Nullenergiehaus ist eine weitere Entwicklungsstufe des Passivhauses. Es soll im Jahresmittel keine Energie von außen beziehen müssen. Neben dem Wärmebedarf wird auch die Elektrizität vor Ort erzeugt und gedeckt. Natürlich erzeugt das Haus über Sonnenkollektoren im Sommer mehr Energie als im Winter, während es im Winter mehr Energie benötigt. Im Schnitt kommen Sie aber so auf eine ausgeglichene Energiebilanz.

Das Verhalten der Bewohner beachten
Beim Nullenergie oder Passivenergiehaus darf nicht vergessen werden, dass es sich um theoretische Werte handelt. Wer dauerhaft mehrere PCs und Kühlschränke betreibt, wird vielleicht etwas weniger heizen müssen, hat aber einen deutlich höheren Stromverbrauch. Die tatsächliche Energieeffizienz eines Gebäudes hängt daher zu einem guten Teil auch von dem individuellen Verhalten der Bewohner ab.

Ein Plus-Energie-Haus erzeugt mehr Energie als es benötigt

Das Plusenergiehaus (auch Energieplushaus genannt) ist eine noch effektivere Form des Nullenergiehauses. Es generiert im Jahresmittel mehr Energie als es verbraucht. Diese Energie kann man beispielsweise nutzen, um ein Elektroauto aufzuladen. Langfristig gesehen wird das Energieplushaus wohl die normale Wohnform werden. Derzeit ist es allerdings eher selten bei neuen Wohnhäusern anzufinden.

Hauptenergiequelle ist die Sonne. Über Solarmodule wird die Energie genutzt, um Strom zu erzeugen oder Wasser zu erwärmen (Photovoltaik und Solarthermie). Es wird aktuell auch erprobt, wie man beispielsweise Algen in Fenstern zur Energiegewinnung nutzen kann oder wie sich Wind und Verdunstungskälte direkt am Haus in nutzbare Energie umwandeln lässt.

Mehr Infos und Beispiele zu Plusenergiehäusern

KfW-Effizienzhäuser

Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert die Bundesregierung den energieeffizienten Hausbau. Mit strenger werdenden Ansprüchen an die Energieeffizienz, wachsen auch die Voraussetzungen für eine Förderung. Sicher sind Ihnen die Begriffe „KfW-Effizienzhaus 55“ oder „KfW 40“ schon begegnet. Die Zahl beschreibt wie hoch der Energiebedarf gegenüber einem Neubau nach dem Gebäudeenergiegesetz ist.

Um das an einem Beispiel zu veranschaulichen: Ein Effizienzhaus 100 würde genau den Anforderungen des GEG entsprechen. Ein Effizienzhaus 55 braucht nur 55 Prozent der Energie, die das GEG als Standard vorschreibt, ein Effizienzhaus 40 nur 40 Prozent.

Je niedriger der Wert ist, desto mehr Energie spart dieses Haus und umso höher wird es auch gefördert.

Bis zum 31.3.2016 gab es noch das „KfW-Effizienzhaus 70“. Diese Effizienzstufe wurde aber zum Standard für Neubauten erklärt und damit nicht mehr gefördert, so dass nur noch die Effizienzklassen 55 und 40 sowie die zusätzlich eingeführte Effizienzklasse 40 Plus gefördert werden. Dafür wird der Förderkreditbetrag von 50.000 auf 100.000 Euro erhöht und eine 20-jährige Zinsbindung angeboten.

KfW-Standards isoliert von den anderen Kategorien betrachten
Die KfW hat bestimmte Fördervoraussetzungen festgelegt, die nicht pauschal auf die einzelnen Haustypen zutreffen müssen. Hausanbieter kennen sich mit den Förderrichtlinien gut aus und konzipieren ihre Häuser entlang der Vorgaben, so dass Sie als Bauherr Fördermittel und günstige Kredite bei Ihrer Baufinanzierung einplanen können.
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3-Liter-Haus

Um einen allgemein verständlichen Begriff zu haben, wurde das 3-Liter-Haus eingeführt, das drei Liter Heizöl (entspricht in etwa 34 kWh) pro Quadratmeter und Jahr für Heizung und Lüftung benötigt. Es wird im Übrigen auch vom 3-Liter-Haus gesprochen, wenn dieses mit anderen Energieträgern wie Erdgas, Strom oder Holz beheizt wird. Die Vergleichswerte betragen dann

  • 2,9 m³ Erdgas
  • 11,2 kwh Strom
  • 7,1 kg Holz

Bei 3-Liter-Häusern kann bis zu 70 Prozent Energie gegenüber den Anforderungen des GEG gespart werden.

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Fertighäuser sind Vorreiter beim nachhaltigen und energieeffizienten Bauen

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind in der Fertighausbranche schon seit vielen Jahren präsent. Das liegt zum einen an der Bauweise. Gut 95 Prozent der Fertighausbauten werden in Holzbauweise errichtet. Doch manche Fertighausanbieter dürfen sich gut und gerne als Pioniere in Sachen umweltgerechtes Bauen bezeichnen.

Sie benutzen nicht nur Holz aus heimischen Wäldern, sondern haben schon früh auf alternative Dämmstoffe gesetzt und konnten wichtige Erfahrungen mit diesen sammeln, die anderen Bauunternehmen bis heute fehlen. Während heutzutage manche Häuser hinter dezimeterdicken Styropor-Schichten verschwinden, erfüllen viele Fertighäuser schon in ihrer Standardbauweise die strengen Förderrichtlinien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und verbessern die Gesamtenergiebilanz schon bei der Fertigung.

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