Die richtige Heizung für mein Haus

Der Bau eines Hauses ist eine Entscheidung, die weitreichende Folgen, insbesondere finanzieller Natur für das weitere Leben hat. Deshalb sollten verschiedene Aspekte in der Hausplanung mit besonderer Achtsamkeit bedacht werden - so auch die Wahl der Heizung. Sie ist das Herzstück eines Hauses und beeinflusst  maßgeblich die Höhe der jährlich anfallenden Energiekosten. Welche Heizungsarten es gibt und welche Vorteile und Nachteile sie bieten - wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengetragen. 

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Entscheidungshilfen für die richtige Heiztechnik

Die Entscheidung für eine Heizung ist eine grundlegende Entscheidung im Hausbauprozess, die sorgfältig überlegt und geplant werden muss, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Maßgebliche Entscheidungskriterien sind: 

- Passt die Heiztechnik zu den verfügbaren Energiequellen sowie zu den infrastrukturellen und baulichen Voraussetzungen?

- Wird die Heizanlage dem energetischen Zustand der Immobilie gerecht?

- Welches Budget steht für die Heiztechnik einschließlich der Installation der Anlage und der zukünftigen Preisentwicklung der Brennstoffkosten zur Verfügung?

Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Heizungsarten

Zu den verschiedenen Heizungsarten gehören unter anderem Brennwertheizungen, mit Holz befeuerte Heizungen, Kamine und Öfen, Elektroheizungen, Wärmepumpen, die Solarthermie, Mini-Heizkraftwärme und die Fernwärme. 

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1. Gas- und Ölheizungen mit Brennwertkessel 

Seit Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung (EnEV) im Jahr 2014 ist es Pflicht, neue Gas- oder Ölheizungen mit einem Brennwertkessel auszustatten. Diese sogenannten Brennwertheizungen gewinnen Wärme nicht nur durch den Verbrennungsprozess von Öl oder Gas, sondern auch durch die freigesetzten warmen Abgase. Durch den deutlich erhöhten Wirkungsgrad kommt es zu Einsparungen von Emissionen und Energiekosten von bis zu 15 Prozent. Vorteilhaft ist, dass alte Heizungen durch den Einbau eines neuen Brennwertkessels günstig modernisiert werden können. Bei einem Gasanschluss ist, im Gegensatz zu Öl, kein Tank oder Brennstofflager erforderlich. Mit fossilen Brennstoffen befeuerte Brennwertheizungen sind allerdings abhängig von den schwankenden Rohstoffpreisen. 

Heizöl kostet rund 40 bis 50 Cent pro Liter, während der Preis für Erdgas zwischen vier und sechs Cent pro Kilowattstunde (kWh) schwankt. Die Anschaffungskosten für eine hochwertige Brennwertheizung für ein Einfamilienhaus liegen zwischen 5.000 und 12.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Heiztechnik, den Warmwasserspeicher, für die Installation und gegebenenfalls für einen Tank, sodass mit weiteren Kosten zwischen 12.000 und 35.000 Euro gerechnet werden muss. 

2. Heizen mit Holz

Pelletheizungen, Hackschnitzelheizungen und Holzscheitvergaser werden zum Heizen mit Holz verwendet. Bei Pelletheizungen und Hackschnitzelheizungen werden die Holzpellets beziehungsweise Hackschnitzel automatisch zugeführt, während bei einem Holzscheitvergaser klassisches Kaminholz eingelegt wird. Für alle drei Holzheizungen sind größere Lagerstätten für Holz erforderlich, während Pellet- und Hackschnitzelheizungen zusätzlich einen Heizkessel benötigen. Vorteilhaft sind der geringe Brennstoffverbrauch sowie minimale Emissionen. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der nur so viel Kohlendioxid (CO2) freisetzt, wie der Baum während seines Wachstums gebunden hat. 

Es sind vor allem Holzpellets, die aufgrund der Pressung einen hohen Wirkungsgrad aufweisen. Die Kosten für eine Jahresladung Holzpellets bewegen sich zwischen 500 und 800 Euro. Ansonsten ist die Technik relativ teuer, sodass die Anschaffungskosten für eine Pelletheizung zwischen 19.000 und 25.000 Euro liegen. Ein wichtiger Vorteil ist, dass mit Holz befeuerte Öfen Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen bedeuten und einen autarken Betrieb ermöglichen. 

3. Heizen mit Kaminen und Kaminöfen

Kamine und Öfen lassen sich nicht nur mit Holz befeuern. Sie funktionieren auch mit Gas oder Bioethanol. Der Vorteil dieser Kamine und Öfen besteht darin, dass ein zeitaufwändiges Anschüren sowie eine Holzlagerfläche entfallen. Stattdessen funktionieren Gas- oder Bioethanol Kamine auf Knopfdruck und verursachen keinen Schmutz. Während Kamine und Kaminöfen einen rustikalen Charakter aufweisen, integrieren sich Gas- oder Bioethanol Kamine in das moderne Wohnzimmer. Sie schaffen durch die offene Flamme eine entspannte Atmosphäre, sind jedoch als Wärme- und Heizquelle nicht geeignet. Anderes gilt für mit Holz befeuerte Kamine oder Kaminöfen, die den jeweiligen Raum aufheizen oder eine eingebaute Heizanlage ergänzen. Der Preis für einen Raummeter Kaminholz liegt, abhängig von der Holzart, zwischen 50 und 100 Euro. Ein wasserführender Kaminofen, mit dem gleichzeitig Brauchwasser erwärmt wird, kostet je nach Ausstattung zwischen 500 Euro und 5.000 Euro. Aufgrund der rein optischen Wirkung gibt es Bioethanolkamine bereits ab einem Preis von 100 Euro aufwärts. 

4. Wann der Einsatz von Elektroheizungen sinnvoll ist

Heizen mit Strom aus der Steckdose ist dann sinnvoll, wenn keine andere Heizung installiert werden kann. Längst gibt es neben den bekannten Nachtspeicheröfen auch stromsparende Alternativen wie mobile Heizlüfter, Infrarotheizungen und Wärmewellenheizgeräte. Die Kosten für eine mit Strom betriebene Elektroheizung sind abhängig vom Strompreis. Ihr Wirkungsgrad erhöht sich in kleineren Räumen sowie in Räumen mit erhöhter Dämmung. Elektroheizungen weisen unmittelbar nach dem Einschalten eine intensive Wärmeentwicklung auf. Sie sind günstig in der Anschaffung, und die laufenden Kosten können durch die freie Wahl des Stromtarifs beeinflusst werden. Elektroheizungen sind mobil, sodass sie dort aufgestellt oder montiert werden können, wo sie gebraucht werden. Sie eignen sich für das Beheizen von kleineren Räumen oder als zusätzliche Wärmequelle. Die Anschaffungskosten bewegen sich zwischen 100 und 500 Euro pro Heizkörper. Elektroheizungen sind auch eine interessante Alternative für Einfamilienhäuser, die mit Anlagen ausgestattet sind, die selbst Strom erzeugen, zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage.

5. Wärmepumpen - die Nutzung von Wasser, Luft und Erde

Wärmepumpen sind umweltfreundlich und energiesparend, da sie ihre Heizwärme durch die Nutzung von Grundwasser, Luft oder Erdwärme kostenfrei aus der Umwelt beziehen. Wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet, zeigt die Leistungszahl an, die das Verhältnis zwischen der aufgenommenen elektrischen Energie und der abgegebenen Wärme beziffert. Gut ist ein Wert von mindestens drei, wobei sehr gute Anlagen auch einen Wert von fünf oder mehr erreichen. Wärmepumpen punkten durch ihre niedrigen laufenden Kosten, ihre Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Außerdem sind sie wartungsarm. Um eine Wärmepumpe installieren zu können, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. 

Beim Betrieb der Anlage entstehen Stromkosten. Abhängig von der Art der Wärmepumpe und von den erforderlichen Bohrungen bewegen sich die Anschaffungskosten zwischen 7.000 und bis über 20.000 Euro. Für den Betrieb entstehen Stromkosten, die sich zwischen 400 und 800 Euro im Jahr bewegen, die jedoch durch eine hauseigene Produktion von Strom gesenkt werden können. 

6. Solarthermie - die Wärme der Sonne nutzen

Mit auf dem Hausdach montierten Sonnenkollektoren kann die Wärme aus den Sonnenstrahlen absorbiert werden, sodass Heizung und Brauchwasser mit Sonnenenergie aufgeheizt werden. Auf diese Weise können mindestens 50 Prozent des Wärmebedarfs eines Einfamilienhauses über die Sonnenenergie gedeckt werden. Die Solarthermie lässt sich gut mit anderen Heizungsanlagen kombinieren. Sie ist nachhaltig und kostengünstig bezüglich des Verbrauchs, da keine laufenden Energiekosten anfallen. Dem stehen hohe Anschaffungskosten gegenüber und eine großflächige Montage der Sonnenkollektoren auf dem Dach. Die Höhe der Kosten liegt zwischen 4.000 und 11.000 Euro und ist abhängig davon, ob lediglich Brauchwasser erwärmt oder auch Heizenergie gewonnen werden soll. Wie effektiv die Sonnenenergie genutzt werden kann, ist eine Einzelfallentscheidung und hängt auch von der Lage des Hauses und der zur Verfügung stehenden Sonnenenergie ab. 

7. Blockheizkraftwerk (BHKW): Dank der Kraft-Wärme Kopplung selbst Strom erzeugen

Blockheizkraftwerke (BHKW) gibt es heutzutage in sehr kleinen Bauformen, zum Beispiel als sogenanntes Nano-BHKW für Einfamilienhäuser. Sie funktionieren mit einem internen Verbrennungsmotor, manchmal auch mit einem Stirlingmotor oder einer Brennstoffzelle und werden mit Rohstoffen wie Erdgas, Flüssiggas oder Heizöl angetrieben. In der Hauptsache erzeugt ein Blockheizkraftwerk Heizenergie, wobei durch das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung als Nebenprodukt Strom entsteht. Die Rentabilität ist abhängig vom tatsächlichen Wärmebedarf. Das bedeutet vor allem Unabhängigkeit vom Preisdiktat der Stromerzeuger und eine enorme Ersparnis bezüglich der Energiekosten, da Strom nicht mehr von einem Anbieter bezogen werden muss. Abhängig von der Verwendung des Brennstoffs müssen ein Lagerraum oder ein Tank zur Verfügung stehen. Die Anschaffungskosten für ein Mini-Blockheizkraftwerk schwanken zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Als laufende Kosten müssen die Kosten für den Brennstoff sowie Wartungskosten kalkuliert werden, die für einen Vierpersonenhaushalt bei 800 bis 1.600 Euro im Jahr liegen. Der entscheidende Vorteil eines Blockheizkraftwerkes liegt in dem weitgehend autarken System und der gleichzeitigen Stromerzeugung. Ein Blockheizkraftwerk lohnt sich immer dann, wenn der selbst erzeugte Strom innerhalb weniger Jahre zu einer Kostenersparnis führt, die über den Anschaffungskosten liegt. 

8. Fernwärme

Um Fernwärme als Heizenergie nutzen zu können, muss ein Fernwärmeanschluss vorhanden sein, der oftmals in ländlichen Regionen fehlt. Die Fernwärme ist dem Grunde nach ein Nebenprodukt von Kraftwerken, das, ähnlich wie bei einem Blockheizkraftwerk, durch die Kraft-Wärme-Kopplung generiert wird. Bei der Nutzung von Fernwärme entfallen kostenintensive Installationskosten, die Kosten für die Heiztechnik und für die Rohstoff-Lagerstätte, was eine deutliche Kostenersparnis bedingt. Da die Wärme bei der Stromproduktion ohnehin anfällt, gilt Fernwärme als besonders umweltfreundlich. Abgesehen davon, dass Fernwärme nicht überall verfügbar ist und umgekehrt manchmal genutzt werden muss, besteht eine Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter. Oftmals weisen die Verträge lange Laufzeiten auf, was der Verbraucherfreundlichkeit zuwiderläuft. Die Anschlusskosten sind abhängig von den Gegebenheiten vor Ort und vom Anbieter, der diese manchmal übernimmt, und belaufen sich für ein Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet auf rund 5.000 Euro, während die laufenden Kosten zwischen 800 und 1.200 Euro im Jahr liegen. 

Fazit

Abschließend ist festzuhalten, dass die verfügbaren Energiequellen sowie infrastrukturelle und bauliche Voraussetzungen die Frage nach der passenden Heizanlage mitentscheiden. Brennwertheizungen verlangen nach einer Versorgungsleitung oder nach Platz für einen Tank. Eine mit Pellets oder mit Holzscheiten befeuerte Holzheizung benötigt eine ausreichend große Lagerfläche. Befindet sich die Immobilie in einem Wasserschutzgebiet, sind Sondenbohrungen als Voraussetzung für eine Erdwärmepumpe generell verboten. 

Wer sich für Solarthermie entscheidet, braucht Platz für die Montage von Sonnenkollektoren, die entsprechend ausgerichtet werden müssen. Bei einem Neubau, stellt die Energieeinsparverordnung (EnEV) hohe Anforderungen an die energetische Qualität, die jedoch staatlich gefördert wird. Um den Wärmebedarf zu decken, wird ein Mindestanteil an erneuerbaren Energien gefordert, der sich unter anderem durch eine bessere Dämmung und durch die Kombination mit Solarthermie erzielen lässt.