Die Energieeinsparverordnung - was sagt sie aus?

Fast 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf Gebäude. Außerdem werden  hier etwa ein Drittel der deutschen CO2-Emissionen verursacht. Daher verwundert es nicht, wenn die Umweltpolitik der Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit von Gebäuden eine besondere Aufmerksamkeit schenkt - nicht erst mit der Energiewende. Bereits seit 2002 gibt es die Energieeinsparverordnung - kurz EnEV -, die wichtige energetische Gebäude-Anforderungen definiert. Sie dient dem Ziel, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. 


Empfohlene Niedrigenergiehäuser

Die EnEV-Historie 

Die ersten gesetzlichen Regelungen zur Energieeinsparung erfolgten mit dem Energieeinspargesetz (EnEG). Es wurde 1976 im Zuge der Ölkrise erlassen. Darauf aufbauend folgten bald Wärmeschutzverordnung und Heizungsanlagenverordnung. Beide Regelungen wurden 2002 durch die Energieeinsparverordnung abgelöst. Die Verordnung hat seither diverse Neufassungen - u.a. zur Umsetzung von EU-Vorgaben - erhalten. Die letzte Fassung ist am 1. Januar 2016 in Kraft getreten, soll aber in absehbarer Zukunft durch das Gebäude-Energie-Gesetz ersetzt werden (s.u.). Zusätzliche energetische Pflichten neben der EnEV sieht das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) bei Neubauten vor. 

Der Grundansatz der Energieeinsparverordnung

Die EnEV bezieht sich in erster Linie - aber nicht ausschließlich - auf neue Gebäude. Eine Schlüsselrolle spielt der sogenannte Primärenergiebedarf. Er umfasst neben dem eigentlichen Energiebedarf des Gebäudes auch die benötigte Energie im Rahmen der Energieerzeugung und -anlieferung. Das Verordnungs-Ziel besteht darin, den Primärenergiebedarf durch Gebäudebeheizung und Warmwasserbereitung nachhaltig zu reduzieren. Vorgaben zielen auf die Heizungs- und Klimatechnik sowie auf die Wärmedämmung ab. Die Nutzung regenerativer Energien wird dabei positiv berücksichtigt. 

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Wo gilt die Energieeinsparverordnung?

Die Verordnung gilt im Prinzip bei allen Gebäuden mit normalen Innentemperaturen (Wohngebäude, Gebäude mit 19 Grad Raumtemperatur und mehr als viermonatiger Beheizung pro Jahr). Auch Gebäude mit Raumtemperaturen zwischen 12 Grad und 19 Grad sind betroffen, einschließlich Anlagen zur Heizungs-, raumlufttechnischen und Trinkwarmwasser-Bereitung. Für eine Reihe an Gebäuden muss die Verordnung nicht angewendet werden - u.a. bei denkmalgeschützten Bauten mit entsprechender Ausnahme-Genehmigung, Ställen, Gewächshäusern oder bei notwendigerweise offenen Betriebsgebäuden. 

Wichtige EnEV-Anforderungen und -Vorschriften im Überblick

1. Neubau 

In der Energieeinsparverordnung werden Höchstwerte definiert, die bei Neubauten im Hinblick auf Primärenergiebedarf und Wärmeverlust der Gebäudehülle nicht überschritten werden dürfen. Die Anforderungen wurden im Zeitablauf verschärft, zuletzt durch die jüngste EnEV-Neufassung 2016. Dadurch wurde der Grenzwert für den Primärenergiebedarf um 25 Prozent abgesenkt, der Wärmeverlust-Grenzwert um 20 Prozent - ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Niedrigstenergiehaus, das ab 2021 Standard sein soll. 

2. Nachrüstung und Sanierung 

Für die Erwerber von Altbauten schreibt die Energieeinsparverordnung eine energetische Sanierung vor, wenn das Gebäude nicht den Vorgaben entspricht. Die Sanierung muss spätestens zwei Jahre nach dem Grundbucheintrag erfolgt sein. Sie betrifft vor allem die Isolierung von Heizungs- und Warmwasserrohren in unbeheizten Räume und die Wärmedämmung der obersten Geschossdecken. Veraltete Heizkessel für Öl oder Gas müssen ggf. ausgetauscht werden.  

3. Klima- und Lüftungsanlagen 

Bestehende Klima- und Lüftungsanlagen sind regelmäßig zu überprüfen. Dies darf nur durch Fachleute erfolgen. In bestimmten Fällen müssen die Anlagen mit einer Einrichtung zur Wärmerückgewinnung ausgestattet sein. Anlagen, die auch zur Luftbe- und -entfeuchtung bestimmt sind, müssen über adäquate elektronische Steuerungseinrichtungen verfügen.

4. Kontrolle durch Schornsteinfeger 

Eine wichtige Überwachungsfunktion kommt dem Schornsteinfeger zu. Er soll im Rahmen seiner regelmäßigen "Hausbesuche" überprüfen, ob die heizungstechnischen Anlagen den Vorgaben der Energieeinsparverordnung entsprechen. Er hat in diesem Zusammenhang auch darauf zu achten, ob - bei Bedarf - alte Heizkessel ausgetauscht und Rohrleitungen gedämmt worden sind. Wird festgestellt wird, dass die EnEV-Vorgaben nicht eingehalten werden, muss der Schornsteinfeger eine Frist für "Abhilfe" setzen und bei Nichteinhaltung die Behörden informieren.

 

Der Energieausweis

Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis

Anwendungsbereich

Der Energieausweis ist eine weitere wichtige Anforderung der Energieeinsparverordnung. Bei neu errichteten Gebäuden ist seit einigen Jahren der Energieausweis Pflicht. Der Ausweis ist auch notwendig, wenn ein bestehendes Haus oder eine Wohnung verkauft bzw. neu vermietet werden soll. Interessenten können die Vorlage des Dokumentes verlangen, um sich einen Eindruck über die Energiekosten zu verschaffen. Auch bei bestimmten umfassenderen Sanierungen - insbesondere im Zusammenhang mit KfW-Energieeffizienzhäusern - kann ein Energieausweis erforderlich sein. Nicht nötig ist er dagegen bei selbst genutztem Wohneigentum im Bestand sowie bei bestehenden Mietverhältnissen. Bei Baudenkmälern und Mini-Häusern bis 50 qm Nutzfläche entfällt die Ausweispflicht ebenfalls. 

Der Energieausweis gibt Auskunft über den energetischen Status einer Immobilie. Dieser wird anhand der Zuordnung zu einer Energieeffizienzklasse angezeigt. Dafür stehen insgesamt neun Energieeffizienzklassen zur Verfügung. Die Skala reicht von A+ (weniger als 2 Euro Energiekosten pro qm Wohnfläche und Jahr) bis H (13 Euro und mehr). Es gibt grundsätzlich zwei Ausweis-Arten: den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis. In vielen Fällen besteht ein Wahlrecht, welcher Ausweis genutzt werden kann. Es ist möglich, den Energieausweis online zu beantragen. Dafür finden sich viele Angebote im Netz. 

Energiebedarfsausweis

1. Energiebedarf als Basis 


Beim Bedarfsausweis wird der energetische Status anhand des rechnerisch ermittelten Energiebedarfs - nicht des tatsächliche Energieverbrauchs - berechnet. Dies geschieht unter Berücksichtigung der relevanten Gebäude-Daten: Baujahr, Gebäudetyp, Lage, Wohnfläche und Wohneinheiten. Außerdem werden standardisierte Nutzungs-Daten zugrunde gelegt. Das Ergebnis ist eine zukunftsorientierte Bedarfsschätzung, die unabhängig vom Verbrauchsverhalten erfolgt. Insofern bietet der Bedarfsausweis eine objektivierte Aussage. 

VerbrauchsausweEnergieverbrauch als Basis 

Beim Verbrauchsausweis dient der gemessene Energieverbrauch (der letzten drei Jahre) als Grundlage. Der Erstellungsaufwand fällt geringer aus als beim Bedarfsausweis, weil nur die entsprechenden historischen Messdaten benötigt werden. Das Ergebnis ist aber auch weniger fundiert, da unter Umständen vom Heizverhalten der Bewohner beeinflusst. Der Verbrauchsausweis darf alternativ zum Bedarfsausweis gewählt werden bei: 

  • Immobilien mit mehr als vier Wohneinheiten; 
  • allen Immobilien - unabhängig von der Zahl der Wohneinheiten- , die nach dem 1. November 1977 genehmigt wurden; 
  • vor dem 1. November 1977 genehmigten Immobilien mit weniger als vier Wohneinheiten, wenn sie mindestens der "alten" Wärmeschutzverordnung 1977 genügen;
  • Nicht-Wohngebäuden. 

Ausblick: das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) 

Ursprünglich sollte zum 1. Januar 2018 ein neues Gebäude-Energie-Gesetz - kurz: GEG - in Kraft treten, das die bisher in der Energieeinsparverordnung (EnEV), im Energieeinspargesetz und im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz verstreuten Vorschriften zusammenführt. Anstelle der heutigen EnEV hätte dann das GEG gegolten. Danach sollte bereits ab 2019 ein Niedrigstenergie-Standard bei öffentlichen Gebäuden anzuwenden sein, für sonstige Gebäude sollte ein solcher Standard im Rahmen einer Novellierung ab 2021 verbindlich werden. Ein erster Anlauf für das Gesetz ist allerdings gescheitert. Dann wurde das Gesetzgebungsvorhaben durch die langwierige Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017 verzögert. Ende November 2018 hat die Bundesregierung einen neuen Entwurf vorgelegt, so dass es voraussichtlich erst in 2019 zur Verabschiedung kommen wird.