Weiter zum Hauptinhalt
Fertiges Massivhaus mit hellem Klinker und Satteldach in Stade

„Man konnte sich zurücklehnen“ – wie wir in Stade ein KfW-40-Massivhaus mit QNG in nur einem halben Jahr gebaut haben

Dr. Aviva Köberlein
Aktualisiert am 22. Juni 2026
Für welche Hausart interessieren Sie sich?
Hausbau-Assistenten starten

Ein Jahr ist es jetzt her, dass Alex und Isa in ihr Massivhaus am Rand von Stade gezogen sind. Vor dem hellen Klinker befindet sich ein Stück aufgeschütteter Mutterboden, den ihr Sohn als Natursandkasten nutzt – Terrasse, Einfahrt und Carport kommen erst noch. Drinnen hängen an manchen Stellen noch Kabel von der Decke, wo später Lampen sitzen sollen. Und trotzdem ist das klassische Satteldachhaus mit Klinkerfassade schon ein echtes Zuhause für die junge Familie geworden. Gleichzeitig spricht das Baupaar über seinen Hausbau auf durchweg positive Weise: dass es eine der intensivsten, aber auch bereicherndsten Erfahrungen ihres Lebens war – und dass sie sich beim Bauen über weite Strecken dank eines sehr vertrauensvollen Verhältnisses zu ihrem Baupartner, der H.Wiebusch Bauunternehmen GmbH, einfach „zurücklehnen“ konnten.

Dabei war dieses Haus noch zwei Jahre vorher völlig undenkbar. Isa wollte schon nach dem Abitur nur eines: weg aus Stade, das sie damals noch als etwas eingestaubt empfunden hatte. Alex, aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, hatte vom Hausbau überhaupt keine Vorstellung – der Gedanke war in seinem Kopf nie verankert. Beide lebten mitten in Hamburg, beide berufstätig, mit einem Kleinkind. Der Bau eines Eigenheims, noch dazu in Stade, stand zu dieser Zeit schlicht nicht zur Diskussion.

Und dann ging doch alles sehr schnell. Vom ersten losen Gedanken bis zum Notartermin vergingen nur sechs Wochen. Es folgten ein halbes Jahr Planungszeit sowie ein halbes Jahr Bauzeit, ein punktgenauer Einzug trotz Winterbaustelle mit Frost – und ein Haus mit KfW-40-Standard und QNG-Zertifizierung, gebaut mit einem heute dreieinhalbjährigen Kleinkind an der Hand. Wie das gelang, was die Förderung wirklich brachte und was die beiden heute minimal anders machen würden, erzählen sie im Interview.

Steckbrief: Alex und Isa mit Sohn, KfW-40-Massivhaus in Stade

  • Baufamilie: Alex & Isa mit Sohn

  • Standort: Stade, Niedersachsen (Neubaugebiet)

  • Haustyp: Einfamilienhaus, Satteldach, nordisch verklinkert (Massivhaus, 1,5-geschossig)

  • Bauweise: Ytong (Porenbeton) + Dämmung + Verblendklinker

  • Klinker: heller Verblender, Modell „ Moorbrand reet-bunt“ von Röben

  • Grundstückskauf / Bauvertrag: April 2024

  • Baubeginn: Erdarbeiten Mitte November 2024 (Dachstuhl fertiggestellt 20.12.2024)

  • Einzug: 6. Juni 2025

  • Wohnfläche: ca. 130 m² (129,77 m²)

  • Grundstücksgröße: 557 m²

  • Energiestandard: KfW 40 (klimafreundlicher Neubau) + QNG-Zertifikat, Effizienzklasse A+

  • Heizung / Energie: Luft-Wärmepumpe, PV-Anlage mit Batteriespeicher

  • Gesamtkosten: ca. 500.000 Euro (Haus + Fundament + Grundstück + Baunebenkosten) ohne Außenanlagen.

  • Besonderheiten: Drempel auf 1,50 m erhöht, offener L-förmiger Wohn-Ess-Bereich, Muldenlüfter, ca. 10 m² Hauswirtschaftsraum, Bad teils in Eigenleistung

  • Effektivzins: 3,91 % (Bankdarlehen) / 0,51 % (KfW-Anteil, 10 Jahre)

Drei Schlüsselmomente: Wie aus „niemals wieder Stade“ ein eigenes Haus wurde

Fertighaus.de: Ihr lebt heute in Stade – obwohl ihr beide eigentlich nie hierher wolltet. Was hat den Ausschlag gegeben?

Alex: Es waren im Grunde drei Schlüsselmomente, alle noch aus unserer Hamburger Zeit. Der erste war fast beiläufig: Wir waren bei Freunden zu Besuch, die mit zwei Kindern in einer Doppelhaushälfte mit Garten wohnten. Als die Kinder noch mal raus wollten, haben unsere Freunde einfach die Terrassentür aufgemacht – und die Kinder waren draußen. Bei uns mitten in Hamburg hieß das: alles einpacken, den Kleinen anziehen, eine halbe bis Dreiviertelstunde später war man dann auf irgendeinem Spielplatz. Da dachten wir zum ersten Mal: Wie schön wäre es, das Kind einfach in den Garten lassen zu können.

Der zweite Moment war das Gegenteil von schön. Wir waren beide gleichzeitig richtig krank, 40 Grad Fieber, und unser Sohn war anderthalb und wollte den ganzen Tag bespaßt werden. In Hamburg hatten wir niemanden in der Nähe – meine Familie 400 Kilometer entfernt, Isas Familie hier in Stade. Es war niemand greifbar, der den Kleinen mal eben hätte abholen können. Diese Tage durchzustehen war eine Qual. Da kam zum ersten Mal die ernsthafte Frage auf: Könnten wir uns vorstellen, nach Stade zu ziehen?

Fertighaus.de: Und dann kam offenbar der entscheidende Satz von außen.

Alex: Genau. Ich war mit einem guten Freund in Hamburg essen und habe von unseren Überlegungen erzählt – auch davon, dass wir uns schon Bestandshäuser angesehen hatten. Und der meinte ganz salopp: „Ja, dann baut doch.“

Isa: Alex kam nach Hause, erzählte das – und ich musste erstmal lachen. Wir hatten ja noch nicht mal den Umzug beschlossen, und plötzlich stand „bauen“ im Raum. Aber der Gedanke war gesetzt, und wir haben angefangen zu recherchieren.

Erst Bestandsimmobilie – dann die Kehrtwende zum Neubau

Fertighaus.de: Bevor ihr ans Bauen gedacht habt, habt ihr euch Bestandshäuser angesehen. Warum kam das am Ende nicht infrage?

Isa: Wir haben an einem Wochenende drei sehr unterschiedliche Häuser angeschaut – eigentlich nur, um ein Gefühl zu bekommen. Beim dritten saßen die Eigentümer, ein sehr nettes älteres Ehepaar, auf dem Sofa, servierten Kaffee aus schönem Porzellanservice, und Alex war plötzlich euphorisch: eine Minute zu Fuß von meinen Eltern, das Bauchgefühl stimmte, er hätte gefühlt fast sofort gekauft.

Aber dann haben wir nüchtern nachgerechnet. Im Garten war ein riesiger Koiteich – mit einem damals eineinhalbjährigen Kind ein echtes Risiko. Die Ölheizung hätte erneuert werden müssen. Und bei einem Haus aus den 50er-Jahren kamen wir bei der energetischen Sanierung schnell auf mindestens 150.000 Euro – zusätzlich zum Kaufpreis. Dazu die ständige Unbekannte: Was steckt hinter den Wänden, ist da vielleicht Asbest? Viele haben uns abgeraten: Bei einem alten Haus kommt immer etwas dazu, und in zehn Jahren ändert die Politik wieder die Vorschriften. Also haben wir Abstand genommen – und der Gedanke „dann baut doch“ bekam plötzlich Gewicht.

Der Grundstücks-Krimi – und warum es nur sechs Wochen dauerte

Fertighaus.de: Wie schnell ging es dann vom Gedanken zum Grundstückskauf?

Isa: Sechs Wochen. Dabei wollte ich Alex anfangs eigentlich nur demonstrativ beweisen, dass es in Stade gar keine freien Grundstücke für Einfamilienhäuser mehr gibt – das wusste ich aus dem Bekanntenkreis. Ich habe gegoogelt, und prompt stand ein Grundstück im Netz. Klassischer Vorführeffekt. Doch schon am nächsten Tag war die Anzeige wieder gelöscht. Kurz darauf stieß Alex über eine Werbeanzeige auf einen Fertighausanbieter. Er rief an, um zu fragen, ob ein Grundstück im Angebot enthalten sei. Die Mitarbeiterin verneinte dies, schaute währenddessen in ihren Bestand und sagte: „Aber hier ist doch ein Grundstück in Stade frei.“ Und tatsächlich – die Anzeige war wieder da.

Man muss dazu wissen: Dieses Neubaugebiet war vorher eine Kuhwiese. Es gab 30 Grundstücke und rund 700 Bewerbungen. Dass genau eines davon wieder frei wurde, war schon überraschend.

Abgeschlossene Erdarbeiten zur Vorbereitung der Bodenplatte für ein Einfamilienhaus mit Schild des Bauunternehmens H. Wiebusch

November 2024: Die Erdarbeiten sind fertiggestellt, das Grundstück ist für das Gießen der Bodenplatte vorbereitet, die Sektflaschen stehen bereit.

Fertighaus.de: Wie habt ihr bei der Konkurrenz den Zuschlag bekommen?

Isa: Es war ein Krimi. Mit uns gab es sieben ernsthafte Bewerber. Unser Problem: Wir standen ganz am Anfang, auch bei der Finanzierung, und die Prüfung dauerte ihre Zeit. Am Ende hat eine schöne Zufallsgeschichte den Ausschlag gegeben: Die Eigentümer sahen in den Unterlagen, dass unsere Geburtstage in dieselben Monate fielen wie ihre und dass wir ein Kind im selben Alter hatten wie sie – es sollte wohl einfach so sein.

Alex: Auf die H.Wiebusch Bauunternehmen GmbH sind wir über unseren späteren Nachbarn gestoßen, dessen Haus uns sofort gefiel und der den Bauträger sehr gelobt hat. Der Geschäftsführer Hauke Wiebusch hat uns im Erstgespräch total begeistert, sofort per Du, herzlich – und dann hat er uns innerhalb von zwei Wochen ein komplettes, schlüsselfertiges Gesamtangebot mit allen Gewerken auf den Tisch gelegt. Das war die Grundvoraussetzung für die Finanzierung. Ohne dieses Tempo hätten wir das Grundstück nie bekommen.

Massivhaus statt Fertighaus: Akustik und Langlebigkeit

Fertighaus.de: Ihr habt euch klar für den Massivbau entschieden. Was gab den Ausschlag – jenseits des Ratgeber-Wissens?

Alex: Wir hatten vorher die typische Vorstellung im Kopf: Fertighäuser sind günstiger, weil sie vormontiert geliefert werden. Als ich dann recherchiert habe, stellte sich heraus, dass das gar nicht zwangsläufig stimmt. Zwei Punkte sind hängen geblieben: Erstens die Langlebigkeit – Stein hält einfach länger. Und zweitens, für uns der entscheidende Punkt: die Akustik. Wir haben in Hamburg in einem extrem hellhörigen Mehrfamilienhaus gewohnt. Nie wieder. Für Isa kam dazu, dass ihr Fertighäuser optisch schlicht nicht so gut gefallen.

Fertighaus.de: Und merkt man den Unterschied im Alltag wirklich?

Isa: Das beste Beispiel: An meinem Geburtstag hatten wir Gäste, das Wohnzimmer war voll, wir haben gefeiert und richtig laut Musik gehört – und direkt im Zimmer darüber schlief unser Sohn. Er ist nicht ein einziges Mal wach geworden. Man hörte oben höchstens ein leises Dröhnen vom Bass. Genau dafür hat es sich gelohnt, massiv zu bauen.

KfW 40 und QNG: der „Jackpot“ – und der Papierkram

Fertighaus.de: Wie kam es überhaupt zu KfW 40 und QNG?

Alex: Den Anstoß gab unser Bankberater, der von den KfW-Förderungen erzählte und anbot, das für uns zu prüfen. So bekamen wir die Förderung für klimafreundlichen Neubau. Erst wurde uns ein KfW-55-Haus angeboten, dann hatten wir die Option, auf KfW 40 mit QNG zu gehen. Wir haben das durchgerechnet – durch das Förderprogramm lohnte es sich trotz der höheren Ausgaben. Dass wir die Förderung bekamen, war für uns der absolute Jackpot.

Fertighaus.de: Was hat die QNG-Zertifizierung in der Praxis konkret bedeutet?

Isa: Vor allem zusätzlichen Aufwand. Bei den Materialien waren wir sehr gebunden: bestimmter Putz, nur bestimmte, umweltfreundliche Farben. Bei der Farbe haben wir auf Siegel geachtet, zum Beispiel den Blauen Engel. Wichtig für alle, die Gewerke auslagern: Wir mussten von A bis Z die Belege aufheben und einreichen, alles wurde geprüft. Die Belege aus dem Baumarkt sollte man auf keinen Fall wegwerfen. Bei den Gewerken unseres Bauträgers lief das automatisch, sie wissen, worauf sie bei QNG achten müssen – etwa bei der Dämmstärke oder Fensterprofiltiefe. Bei unserem extern beauftragten Maler mussten wir es gesondert besprechen.

Dachstuhl-Aufbau über Massivwänden, daneben gestapelte Ytong-Porenbetonsteine und Dämmplatten

Ytong-Porenbeton und dicke Dämmung im neuen Dachstuhl – die Materialwahl war beim KfW-40-Standard mit QNG genau vorgeschrieben.

Fertighaus.de: Lässt sich der finanzielle Effekt in Zahlen fassen?

Alex: Der Schritt von KfW 55 auf KfW 40 mit QNG hat uns grob 20.000 Euro Mehrkosten verursacht. Dem stehen aber rund 50.000 Euro gegenüber, die wir über die Laufzeit an Zinsen sparen – plus der Vorteil, dass wir mit dem hocheffizienten Haus dauerhaft weniger Energie verbrauchen. Über die Jahre gerechnet hat sich das klar gelohnt.

Mehr zu Energiesparhäusern

Bemusterung: Wo wir vom Standard abgewichen sind

Fertighaus.de: Beim Innenausbau habt ihr an vielen Stellen aufgerüstet. Wo seid ihr vom Standardangebot abgewichen?

Alex: Der Bauträger machte uns ein Standardangebot mit klar definiertem Inhalt – in diesem Rahmen war alles im Preis enthalten, alles darüber hinaus kostete extra. Natürlich wollten wir meistens etwas on top. Bei den Fenstern zum Beispiel: Im Erdgeschoss haben wir sehr viele bodentiefe Fenster, alle mit sehr hohen Sicherheitsstufen ausgestattet. Das größte Extra war aber die Elektrik. Steckdosen waren ein wichtiges Thema – wir sind mit dem Elektriker jeden Raum einzeln durchgegangen. Er war sehr praxisorientiert und hat an vieles gedacht. In jedem Raum gibt es zum Beispiel direkt an der Tür eine Steckdose, damit man jeden Raum bequem saugen kann.

Isa: Und wir haben in jeder Fensterlaibung eine Steckdose für Weihnachtsdeko. Bei der Treppe haben wir noch eine eingefräste Griffmulde für circa 200 Euro dazugenommen – solche Kleinigkeiten summieren sich. Doch trotz aller Planung haben wir ausgerechnet im Bad eine Steckdose vergessen.

Fertighaus.de: Und bei der Optik – Fassade und Bad?

Alex: Beim Klinker hatten wir Glück. Wir wollten unbedingt hellen Klinker, aber im Standard waren fast nur Rot- und dunkle Töne dabei; helle hätten Aufpreis gekostet. Zum Glück hatte Wiebusch einen neuen hellen Klinker im Standardangebot, er war gerade ein halbes Jahr am Markt. Es gab im näheren Umkreis erst ein Referenzhaus mit diesem Stein, südlich von Hamburg. Wir sind hingefahren, ausgestiegen und wussten sofort: Der Stein ist es.

Verklinkerung der Fassade in Arbeit, untere Reihen aus hellem Klinker gemauert, Giebelbereich noch Porenbeton

Der helle Klinker, den Alex und Isa bei einem Beispielhaus südlich von Hamburg gesehen hatten, wird verbaut.

Isa: Beim Bad haben wir aufgewertet und einen Teil selbst gemacht. Die Auswahl der entsprechenden Partnerfirma gefiel uns optisch nicht. Den Großteil, WCs und Waschtisch, haben wir dann selbst übers Internet gekauft, was am Ende günstiger war und uns besser gefiel. Dusch- und Badewanne hat unsere Sanitärfirma gesetzt.

Bauen mit Kleinkind: Termine, Betreuung, Urlaub

Fertighaus.de: Euer Sohn war zu Beginn der Bauplanung etwa eineinhalb Jahre alt. Wie hat das den Bau im Alltag geprägt?

Alex: Die eigentliche Last lag bei der Bemusterung. Wir wohnten und arbeiteten beide noch in Hamburg, mussten zu den Terminen nach Stade fahren – und viele Handwerker hatten am Wochenende frei, also musste alles werktags passieren, in Kombination mit Urlaub und Betreuung. Wir mussten ständig schauen, ob Oma und Opa auf unseren Sohn aufpassen konnten. Ein, zwei Mal haben wir ihn mitgenommen, etwa zum Termin für die Bad-Ausstattung – eine Vollkatastrophe! Er war an dem Tag total aufgedreht, ist rumgerannt und hat lautstark sein Missfallen geäußert. Man kann einem flippigen Kleinkind eben nicht sagen: “Warte mal zwei Stunden, Mama und Papa suchen Sachen für unser neues Haus aus.” Wir haben dann oft mehrere Termine an einem Tag gebündelt – morgens Türen, nachmittags die Treppe –, das war anstrengend, aber besser, als immer wieder herzufahren.

Fertighaus.de: Würdet ihr anderen Eltern auf Basis dieser Erfahrung etwas raten?

Alex: Ein ganz klarer Tipp, den ich schon oft weitergegeben habe: Wenn das Leben es zulässt, baut, bevor die Kinder da sind. Mit Kind ist alles um ein Vielfaches stressiger, weil tagsüber keine Chance ist, sich vernünftig um etwas zu kümmern. Erst wenn das Kind im Bett ist, hat man Ruhe, um sich Gedanken zu machen, und dann ist man oft schon müde und ausgelaugt vom Tag.

Isa: Was uns extrem geholfen hat: Wir waren mit der Bemusterung sehr früh dran und schon im August damit fertig. Dieses Gefühl, an diesen Punkt einen Haken machen zu können, war goldwert.

Hausbau mit Kind – 5 Tipps aus der Praxis

  1. Bemusterung zusammenlegen und früh abschließen. Die Auswahltermine sind die eigentliche Belastung, nicht die Baustelle selbst. Legt mehrere Termine auf einen Tag (morgens Türen, nachmittags Treppe) und zieht die Bemusterung früh durch – Alex und Isa waren schon im August fertig und haben sich so den Stress in der akuten Bauphase erspart.
  2. Betreuung fest einplanen – ein Kleinkind gehört nicht in lange Termine. Handwerker haben werktags Zeit, also braucht ihr Urlaubstage und verlässliche Betreuung durch Verwandte oder andere. Wer nicht ohnehin neben den Großeltern wohnt, muss das aktiv organisieren. Den Sohn einmal mitzunehmen, endete bei den beiden in einer „Vollkatastrophe".
  3. Wenn es die Lebensplanung zulässt: vor dem Kind bauen. Alex' klarster Tipp. Mit Kind ist alles um ein Vielfaches anstrengender, weil tagsüber keine Zeit bleibt – man kommt erst abends zum Planen, und dann ist man meistens erschöpft. Ein Vorteil ist, in der Nähe der Großeltern zu bauen.
  4. Das Haus für die Familie denken, nicht für Gäste. Der Sohn des Baupaars bekam das größte Zimmer im Obergeschoss; auf eine zweite Dusche im Gäste-WC haben die beiden bei einem Kind bewusst verzichtet (bei zwei oder drei Kindern hätte es sich für sie gelohnt). Und: Ein kleineres Haus mit großem Garten bringt einem Kind oft mehr als ein großer Grundriss. Sicherheitsaspekte gehören früh mitgedacht – ein großer Gartenteich war für Alex und Isa sogar ein Grund gegen eine zuvor besichtigte Bestandsimmobilie.
  5. Beim unfertigen Einzug realistisch bleiben. Mit Kleinkind bleibt kaum Zeit für Eigenleistung, also Prioritäten setzen und improvisieren – aus dem noch nicht angefüllten Vorgarten wurde kurzerhand ein „Natursandkasten". Wegen der Restfeuchte im ersten Jahr Bilder und Möbel an Außenwänden bewusst später platzieren, um Schimmel zu vermeiden – gerade mit Kind im Haus ein wichtiger Punkt.

Unfertig einziehen – und der unterschätzte Posten Außenanlagen

Fertighaus.de: Was war beim Einzug noch nicht fertig – innen wie außen?

Alex: Außen so gut wie alles: keine Terrasse, keine gepflasterte Einfahrt, kein Carport. Der Garten ist nicht mal auf Endhöhe angefüllt – direkt vorm Haus hat unser Sohn deshalb seinen Natursandkasten.

Isa: Vieles können wir noch nicht angehen, weil die Straße der Stadt noch nicht fertig ist; unsere Mülltonnen ziehen wir wie alle Nachbarn über die Baustraße an die nächste Hauptstraße.

Alex: Innen hängen teils noch Kabel von der Decke, wo Lampen fehlen, und Bilder haben wir wegen der Restfeuchte im Haus erst spät aufgehängt, um keinen Schimmel zu riskieren. Ein Neubaugebiet entwickelt sich Stück für Stück. Viele sehen in den ersten Jahren einfach noch etwas unfertig aus.

Fertiges verklinkertes Einfamilienhaus mit Satteldach, davor unbefestigter Sandboden ohne Terrasse

Beim Einzug stand das Haus, doch draußen war alles noch offen: keine Terrasse, keine Einfahrt, kein Carport.

Fertighaus.de: Was war die größte finanzielle Überraschung?

Alex: Ganz klar die Außenanlagen. Wir dachten: Die Außenanlagen machen wir in Ruhe, vielleicht einiges auch selbst – so teuer wird das schon nicht sein. Das ist ein Fehler, den viele Bauherren machen. Realistisch reden wir locker von 40.000, 50.000, 60.000 Euro, wenn man alles machen lässt. Hätten wir das vorher genauer kalkuliert, hätten wir es in die Gesamtfinanzierung mit eingeplant. So haben wir tatsächlich nur Haus plus Grundstück finanziert. Jetzt machen wir vieles selbst, zum Beispiel das Pflastern der Terrasse.

Energie im Alltag: PV-Anlage, Wärmepumpe und rund 40 Euro Strom & Heizung im Monat

Fertighaus.de: Was merkt ihr energetisch im Vergleich zur Hamburger Mietwohnung?

Alex: Das ist ein enormer Unterschied. Für Strom zahlen wir jetzt etwa die Hälfte. Wir haben eine PV-Anlage auf dem Dach und eine Wärmepumpe – ich liebe das Monitoring der PV-Anlage: Scheint die Sonne, läuft die Wasch- oder Spülmaschine. Über das Jahr gerechnet landen wir bei grob 40 Euro pro Monat für Strom und damit auch fürs Heizen. Von März bis Oktober zahlen wir praktisch gar nichts für Bezugsstrom. Im Winter zieht die Wärmepumpe natürlich mehr Strom. Übers Jahr gerechnet liefert sie aber ein Mehrfaches der Energie, die sie selbst verbraucht – bei einem so gut gedämmten Haus grob das Drei- bis Vierfache. Und durch die dicke Dämmung, die dreifach verglasten Fenster und die dicken Wände müssen wir nicht viel zuheizen. Eine Lüftungsanlage haben wir aus Budgetgründen weggelassen – dafür haben wir gerade im ersten Jahr diszipliniert stoßgelüftet und überall Hygrometer aufgestellt. Die Feuchtigkeitswerte sind jetzt top.

Rohbau-Innenraum mit Porenbeton-Wänden und Baustützen unter der Geschossdecke

Dicke Porenbeton-Wände und durchgehende Dämmung sind die Grundlage für die niedrigen Strom- und Heizkosten von rund 40 Euro im Monat.

Fertighaus.de: Alex, du bist in der IT tätig – ist das Haus auch ein Smart Home?

Alex: Noch nicht, das war auch ein Budget-Thema. Wäre mehr Geld da gewesen, hätte ich gern von Anfang an Smart Home über KNX integriert. Was wir gemacht haben: Netzwerkverkabelung in allen Räume und Access Points auf beiden Etagen, das WLAN ist also vernünftig. Den Rest möchte ich Schritt für Schritt nachrüsten – als Nächstes kommt eine intelligente Wallbox mit Überschussladen für ein E-Auto.

Isa: Was wir im Nachhinein anders gemacht hätten, ist die Steuerung der Außenjalousien – wir haben keine Zentralschaltung und müssen die Schalter direkt an den Fenstern bedienen. Das ist manchmal nervig. Aber wir freuen uns trotzdem – vorher hatten wir gar keine Außenjalousien.

Was goldrichtig war – und was wir minimal anders machen würden

Fertighaus.de: Was war rückblickend die beste Entscheidung?

Alex: Zwei Dinge. Erstens, den Drempel von 1,00 auf 1,50 Meter zu erhöhen. Dadurch hat man im Obergeschoss fast gar kein Schrägegefühl, obwohl die Schrägen da sind – aber das Raumgefühl ist durch den höheren Kniestock viel großzügiger. Zweitens der offene, L-förmige Wohn-Ess-Bereich: offene Küche mit Muldenlüfter, ein großer freier Bereich für den Esstisch, drei große doppelflügelige Terrassentüren mit zwei Metern Breite. Das war unsere einzige feste Vorstellung von Anfang an, und sie ist genau so aufgegangen.

Isa: Ein befreundeter Architekt meinte sogar, das sei ein ungewöhnlich großer Wohn-Ess-Bereich für diese Hausgröße – wir haben das Haus quasi drumherum gebaut. Und wir haben uns bewusst dagegen entschieden, im Obergeschoss bodentiefe Fenster zu setzen: Das schafft Stellfläche und schützt die Privatsphäre.

Innenraum nach dem Putzauftrag, im Hintergrund großen Terrassentüren im späteren Wohnessbereich

Der spätere offene Wohnessbereich: Drei großzügige Terrassentüren mit zwei Metern Breite öffnen den Raum nach Südwesten.

Fertighaus.de: Und gibt es Dinge, die ihr heute anders machen würdet?

Isa: Richtige Fehler gab es nicht – das meiste ist eher Jammern auf hohem Niveau. Ich hätte mir im Nachhinein im Büro oder im Schlafzimmer noch ein Dachfenster gewünscht; bei unserem Sohn im Zimmer sieht man, wie schön das ist.

Alex: Wir hätten dem Haus auch gern einen halben Meter mehr Grenzabstand auf der Seite der Einfahrt gegeben. Das hätte den großen Südgarten kaum Platz gekostet, aber mehr Platz für die Auffahrt geschaffen. Bewusst weggelassen haben wir den Kamin, weil so ein hocheffizientes, gut gedämmtes Haus mit Kamin schnell zur Sauna werden kann. Dafür haben wir draußen eine große Feuerschale.

Isa: Den Hauswirtschaftsraum haben wir absichtlich groß gehalten, rund zehn Quadratmeter; als die Haustechnik drin war, waren wir wirklich froh darüber, denn Wärmepumpe, Speicher und Wechselrichter sind echte Ungetüme. Sie nehmen sehr viel Platz ein.

Rückblick, Finanzierung und der wichtigste Tipp

Fertighaus.de: Isa, war Bauen am Ende leistbarer, als du gedacht hattest?

Isa: Überraschend, ja. Ich selbst habe den Hausbau immer für ein unerreichbares Projekt gehalten – etwas, was sich nur sehr reiche Menschen leisten können. Beim Erstgespräch mit Hauke Wiebusch war ich erstaunt, dass es anders kam. Für mich ist der Hausbau eine der krassesten Erfahrungen meines Lebens – ich hätte nie geglaubt, jemals in der Lage zu sein, ein Haus zu bauen, und bin unfassbar dankbar, jetzt in den eigenen vier Wänden zu sitzen.

Alex: Unser Budget lag bei rund 500.000 Euro für Grundstück und Haus inklusive Bodenplatte, ohne Keller; am Ende wurde es insgesamt etwas mehr. Aber wir hatten Glück mit Zinssatz und Förderung.

budget.png
Kostenloser Budgetrechner

Finden Sie in wenigen Schritten Ihr verfügbares Budget für Ihr Eigenheim heraus & lassen sich direkt passende Angebote anzeigen.

Zum Budgetrechner

Fertighaus.de: Wie habt ihr finanziert?

Alex: Der Zinssatz lag bei 3,91 Prozent fürs normale Darlehen; die andere Hälfte lief über die KfW mit 0,51 Prozent auf zehn Jahre – da steckt die eigentliche Ersparnis. Auf Rat unseres Bankberaters haben wir bewusst eine lange Laufzeit gewählt: Wichtiger als „bis zur Rente abbezahlt“ war für uns, dass wir uns die monatliche Rate gut leisten können und nicht nur für das Haus leben.

Fertighaus.de: Habt ihr ein Richtfest gefeiert?

Isa: Tatsächlich nicht – bei uns wurde es ein sogenanntes Dichtfest. Der Dachstuhl stand vier Tage vor Weihnachten, da waren die Handwerker schon fast in den Ferien, und kurz vor den Feiertagen Freunde und Familie zusammenzubekommen, war auch schwierig. Unser Bauleiter gab uns den Tipp: „Macht doch ein Dichtfest." Das machen heute viele, die über den Winter bauen. „Dicht" heißt, dass das Haus dicht ist – Fenster und Türen sind drin, das Dach ist gedeckt. Wir haben das Dichtfest dann im März gefeiert, Familie, Freunde und Nachbarn eingeladen und mitten im Rohbau gesessen.

Fertighaus.de: Und was rätst du anderen, Alex?

Alex: Mein Tipp an alle, die fragen, ob sie auch bauen sollen: Nimm dir Zeit – aber mach es. Bei uns lief es übrigens komplett reibungslos: keine Verzögerung, punktgenauer Einzug trotz Frostwochen und Winterbaustelle, ein kurzer Draht zu unserem Bauleiter über eine WhatsApp-Gruppe. Als an einer Ecke ein Klinker abbrach, war das nach einem Foto in ein paar Tagen ausgetauscht. Man konnte sich wirklich zurücklehnen.

Und am Ende hast du ein Eigenheim, das so ist, wie du es dir überlegt hast. Du kannst es im Rahmen des Budgets formen, wie du möchtest – es ist dein Haus. Darauf sind wir stolz, dass wir das in der Kürze so hinbekommen haben.

Zusammenfassende Einordnung

Der außergewöhnlich glatte Verlauf bei Alex’ und Isas Hausbau repräsentiert keinen Automatismus, sondern beruht auf mehreren vorteilhaften Faktoren: einem erfahrenen regionalen Baupartner, der die Gewerke koordinierte, einer KfW-Förderung, und einem günstigen Finanzierungsfenster. Zudem ist die Entscheidung in nur sechs Wochen bemerkenswert, stellt aber kein Vorbild zum Nachahmen dar – ohne den Glücksfall des erneut freien Grundstücks und das Tempo des Bauträgers wäre sie kaum aufgegangen. Übertragbar sind dagegen die handfesten Lehren: Außenanlagen früh und realistisch einbudgetieren, die Bemusterung möglichst vorziehen, bei selbst beauftragten Gewerken die QNG-Materialnachweise lückenlos sichern – und beim Innenausbau über Details wie Drempelhöhe und Fensteranordnung früh nachdenken. Alle Kostenangaben stammen aus dem Interview und sind als persönliche Erfahrungswerte zu verstehen.

Isas und Alex’ Hausbau in Niedersachsen: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vom ersten Gedanken bis zum Notartermin vergingen nur sechs Wochen – wo andere Jahre brauchen. Möglich war das vor allem durch einen regionalen Bauträger, der in zwei Wochen ein komplettes schlüsselfertiges Angebot lieferte.
  • Das Massivhaus (Ytong-Porenbeton, heller Klinker) entstand in rund einem halben Jahr Bauzeit – trotz Frostwochen im Winter wurde auf den Tag genau eingezogen.
  • KfW 40 plus QNG war der „Jackpot“: rund 20.000 Euro Mehrkosten gegenüber KfW 55, aber etwa 50.000 Euro Zinsersparnis über die Laufzeit – plus dauerhaft niedrige Betriebskosten (Effizienzklasse A+).
  • QNG bedeutet Papierkram: Energieberatung, gebundene Materialien (z. B. Farbe mit Blauem Engel) und lückenlose Belege. Wer Gewerke selbst auslagert, muss jeden Kassenzettel aufheben.
  • Bauen mit Kleinkind ist vor allem bei der Bemusterung anstrengend: Termine nur werktags, Betreuung und Urlaub müssen koordiniert werden. Tipp der beiden: Bauen, bevor das Kind da ist.
  • Der am meisten unterschätzte Posten sind die Außenanlagen: schnell 40.000 bis 60.000 Euro – und das nur als Basisausstattung. Am besten von Anfang an in die Gesamtfinanzierung einplanen.
  • Strom kostet im Jahresschnitt rund 40 Euro pro Monat inklusive Heizkosten (Wärmepumpe); von März bis Oktober fließt dank PV-Anlage praktisch kein Bezugsstrom. Wärmepumpe und dicke Dämmung halten auch die Heizkosten klein.
  • Beste Entscheidung im Innenausbau: den Drempel von 1,00 auf 1,50 Meter erhöhen – das Obergeschoss wirkt fast wie ein Vollgeschoss und ist deutlich großzügiger.
catalogues
Sie planen ebenfalls ein Massivhaus?

Alex und Isa haben sich auf Empfehlungen und ihr Bauchgefühl verlassen – wer mehr vergleichen möchte, startet am besten mit konkreten Angeboten und Katalogen. So bekommen Sie ein Gefühl für Grundrisse, Ausstattung und realistische Preise.

Kostenlos Kataloge anfordern

Häufige Fragen rund um Massivhaus, KfW 40 und QNG

Für welche Hausart interessieren Sie sich?
Hausbau-Assistenten starten
Kostenlos & unverbindlich
Fertighaus.de 4,5 / 5 von 61393 Kunden