Bemusterung vorbereiten: Was Sie wissen müssen, bevor Sie entscheiden
Wird ein Haus gebaut, legen alle Bauherrinnen und Bauherren bei der Bemusterung fest, wie das neue Heim konkret gestaltet werden soll. Das betrifft neben der Außengestaltung von Fassade und Dach vor allem die Innenausstattung des Hauses. Hier erfahren Sie, was genau eine Bemusterung ist, wie Sie sich vorbereiten können, welche Entscheidungen Sie bereits zuvor treffen können und was Sie genau erwartet.
Bemusterung: Das Wichtigste auf einen Blick
Bei der Bemusterung legen Sie sämtliche Ausstattungsdetails Ihres Hauses fest, von Fassade über Bodenbeläge bis zur Elektroausstattung.
Rechnen Sie mit ein bis zwei Tagen Dauer, bei manchen Anbietern auch länger.
Die Baubeschreibung ist Ihre wichtigste Vorbereitung: Sie zeigt, was im Standard enthalten ist und wo Aufpreise entstehen.
Bemusterungsaufschläge von 10.000 bis 50.000 Euro sind keine Seltenheit, planen Sie finanziellen Spielraum ein.
Eine Vorbemusterung beim Anbieter oder ein Besuch im Bemusterungszentrum spart am eigentlichen Termin Zeit und verhindert Fehlentscheidungen.
Bringen Sie eigene Notizen, Inspirationsbilder und konkrete Vorstellungen mit; je vorbereiteter Sie sind, desto souveräner verlaufen die Entscheidungen.
Was ist eine Bemusterung?
In der Bemusterung legen Sie in einer Bemusterungsliste fest, welche konkreten Elemente in welcher Ausführung in das Haus eingebaut werden. Das betrifft neben Dach und Fassade auch Fenster, Türen, Treppen, Wände, Sanitäranlagen, Bodenbeläge und Elektroausstattung, folglich die komplette Innenausstattung des Hauses. Die Bemusterung nimmt in der Regel ein bis zwei Tage in Anspruch und wird vor dem eigentlichen Baubeginn durchgeführt. In der Regel findet sie vor Ort im Bemusterungszentrum statt, kann aber auch online oder telefonisch durchgeführt werden.
Wie sollte man bei der Vorbereitung auf die Bemusterung vorgehen?
Lesen Sie sich vor dem Bemusterungstermin die Baubeschreibung gründlich durch. In dieser steht, welche Ausstattung und Einrichtung bereits standardmäßig enthalten ist. Sind Sie mit der Ausstattung zufrieden, können Sie diese belassen. Sie können aber auch eine Aufmusterung vornehmen, was bedeutet, dass Sie sich beispielsweise für hochwertigere Materialien, andere Farben oder bessere Technik entscheiden.
Diese Checkliste hilft Ihnen bei der Vorbereitung:
Prüfen Sie die Baubeschreibung und identifizieren Sie eventuelle zusätzliche Kosten.
Besprechen Sie gemeinsam mit dem Hausanbieter Ihre Vorstellungen.
Informieren Sie sich in Hausausstellungen, besuchen Sie Musterhäuser und gehen Sie durch andere Neubaugebiete.
Reden Sie mit anderen Baufamilien und fragen Sie diese nach ihren Erfahrungen.
Planen Sie für unvorhergesehene Ausgaben noch etwas finanziellen Spielraum ein.
„Bemustern ist eine Verhandlung, kein Bestellprozess."
Welche Entscheidungen sollten vorab getroffen werden?
Vor dem eigentlichen Bemusterungstermin können Sie sich über die Gestaltung der einzelnen Hauselemente bereits Gedanken machen:
Fassade
Welche Farbe soll Ihr Haus haben, wie genau soll die Fassade aussehen? Brauchen Sie für den Garten oder die Terrasse Anschlüsse für Strom und Wasser auch außerhalb des Hauses?
Dach
Welche Art der Dachdeckung soll das Haus bekommen? Falls es einen Schornstein gibt, wie soll er aussehen und womit soll er verkleidet werden? Ist ein Schneegitter sinnvoll? Aus welchem Material soll die Regenrinne hergestellt sein?
Fenster
Welches Material in welcher Farbe sollen die Fenster haben? Sollen sie zusätzlich vor Einbruch schützen? Mit welcher Art der Verglasung und in welcher Aufteilung sollen die Fenstern ausgeführt werden? Auch die Gestaltung von Fensterbänken und -griffen, den Einbau von Jalousien und Rollläden können Sie schon vorab entscheiden.
Türen
Für Haustür, Terrassen- oder Balkontüren, aber auch die Innentüren müssen Farben, Materialien, Türklinken und das Schließsystem gewählt werden.
Bodenbeläge
Wählen Sie aus den unterschiedlichen Bodenbelägen für jeden Raum den passenden aus: Fliesen, Holzdielen, Laminat, Teppich und viele andere mehr stehen zur Auswahl.
Sanitäreinrichtung
Badewanne, Dusche, Toilette, Waschbecken mit den entsprechenden Armaturen, aber auch Anschlüsse für Waschmaschine und Trockner, Beleuchtung und Spiegel sind zu entscheiden.
Wände
Sollen die Wände lediglich verputzt werden? Oder lieber mit Fliesen, Tapete oder Holz verkleidet?
Elektroausstattung
In welchen Räumen brauchen Sie an welchen Stellen wie viele Steckdosen? Auch fest installierte Beleuchtung, die Anschlüsse für Deckenlampen, Schalter, Anschlüsse für Telefon und Fernseher, Steuerung der Heizanlage und andere Extras zählen dazu.
„Vor allem ging es uns darum: Was ist im Standard drin? Gerade bei ‚schlüsselfertig' haben günstigere Anbieter oft einen niedrigen Standard und es braucht sehr viel Aufpreis, damit man am Ende das bekommt, was man haben möchte."
"Bei der Bemusterung von Materialien und Farben ist es unverzichtbar, diese bestenfalls in den tatsächlichen Räumlichkeiten des Hauses zu bemustern. Grund dafür ist der Lichteinfall, da dieser zu unterschiedlichen Tageszeiten Farben und Qualitäten sehr andersartig wirken lassen kann. Insbesondere bei der Wandfarbe sollte diese idealerweise auf A4 oder A3 Vlies an unterschiedlichen Stellen bzw. Zeiten im Raum getestet werden. Darüber hinaus sollten sämtliche Farben und Materialien eines Raumes aufeinander abgestimmt sein. Ein eingangs erstelltes Farbkonzept gibt Ihnen Sicherheit, dass letztlich alles harmonisch zusammenpasst."
"ich hatte bei der Küchenplanung tatsächlich immer ein Stück Fliese dabei, damit die Arbeitsplatte und die Küchenfront farblich dazu passt."
Was kostet die Bemusterung und warum wird es oft teurer als geplant?
Die Bemusterung selbst ist als Beratungsleistung in der Regel im Hauspreis enthalten. Was allerdings ins Geld geht, ist die sogenannte Aufbemusterung: Wenn Sie sich für hochwertigere Materialien, andere Farben oder bessere Technik entscheiden als im Standard vorgesehen, entstehen Aufpreise; und diese summieren sich schnell.
Branchenüblich liegen Bemusterungsaufschläge zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Wie groß die Spanne in der Praxis tatsächlich ist, zeigen Erfahrungen von Baufamilien auf Fertighaus.de.
So haben Leonie und Anton aus Berlin rund 10.000 Euro in ihre Aufbemusterung gesteckt:
"Dafür haben wir Parkett reingenommen, und das war der größte Kostentreiber. Eine Geschosserhöhung unten haben wir auch noch genommen, ein paar Steckdosen mehr, andere Fenster – lauter kleine Aufpreise, nichts, wo man aus den Wolken fällt."
Roza & Alex aus Niedersachsen haben dagegen für ca. 39.000 € eine umfangreiche Aufwertung, beispielsweise eine Mehrausstattung bei Elektro und Sanitär sowie eine Solaranlage mit Notstromfunktion, aufbemustert.
Die Unterschiede entstehen vor allem in diesen Bereichen:
- Bodenbeläge: Der Standard ist oft einfaches Laminat oder Basisfliesen. Parkett, Naturstein oder großformatige Fliesen kosten je nach Fläche mehrere Tausend Euro Aufpreis.
- Sanitär und Armaturen: Zwischen Standard-WC und einem Dusch-WC mit Unterputz-Armatur können pro Bad 2.000 bis 5.000 Euro liegen. Praxisbeispiel: Rozas und Alex' Duschkabine kostete 2.750 €.
- Elektroausstattung: Die Basisausstattung enthält häufig nur eine Mindestanzahl an Steckdosen und Schaltern. Jede zusätzliche Dose, jeder Netzwerkanschluss, jedes Smart-Home-Element bedeutet einen Aufpreis.
- Smart Home: Eine Basisverkabelung für Smart-Home-Steuerung (KNX oder vergleichbar) liegt je nach Umfang bei 3.000 bis 10.000 Euro Aufpreis. Wer zusätzlich Aktoren, Sensoren und eine zentrale Steuerung für Licht, Heizung und Rollläden möchte, kann schnell auf 15.000 bis 25.000 Euro kommen. Wichtig: Die nötige Verkabelung muss bei der Bemusterung festgelegt werden, eine Nachrüstung im fertigen Haus ist deutlich teurer oder bei Funkbasis-Systemen mit Einschränkungen verbunden.
- Kontrollierte Wohnraumlüftung: Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kostet typischerweise 8.000 bis 15.000 Euro Aufpreis gegenüber dem Standard ohne Lüftungssystem. Bei Häusern mit hohem Energiestandard (z. B. Effizienzhaus 40) ist sie oft ohnehin eingeplant, prüfen Sie in der Baubeschreibung, ob sie im Standard enthalten ist oder als Aufpreis kalkuliert wird. Eine dezentrale Lösung (einzelne Geräte pro Raum) ist mit 2.000 bis 5.000 Euro günstiger, aber im Wohnkomfort eingeschränkter.
- Fenster und Rollläden: Dreifachverglasung, elektrische Rollläden oder bodentiefe Fenster sind selten im Standard enthalten.
- Fassade: Klinker statt Putz kann bei einigen Anbietern 40.000 Euro Differenz bedeuten.
Tipp: Lesen Sie die Baubeschreibung vor dem Bemusterungstermin Zeile für Zeile durch und markieren Sie alles, wo Sie aufmustern möchten. Fragen Sie Ihren Anbieter vorab nach einer Preisliste für die häufigsten Upgrades, so vermeiden Sie Überraschungen am Bemusterungstag. Wer sein Budget schützen will, setzt sich vorab eine Obergrenze bei der Aufbemusterung und priorisiert: Welche Änderungen verbessern den Wohnalltag spürbar, welche sind wünschenswert, aber nicht zwingend?
Macht eine Vorbemusterung Sinn?
Vor einer Bemusterung können Sie ein Musterhaus, die Werkshallen oder eine Ausstellung des gewählten Bauträgers besuchen. Hier können Sie sehen, welche Auswahl an Bodenbelägen, Fassaden oder Sanitäreinrichtungen möglich ist und sich bereits vorab nach Preisen oder Alternativen erkundigen. Sie sehen, was Ihnen gefällt und können sich dann zum eigentlichen Bemusterungstermin leichter entscheiden.
„Wir würden es auf jeden Fall wieder so machen mit der Vorbemusterung. Die Zeit sollte man sich nehmen, wenn man überlegt, ein Haus zu bauen. Denn man bekommt einen ganz anderen Eindruck von einem Haushersteller."
Die Vorbemusterung ist aber kein Muss, sondern dient lediglich dazu, sich einen genauen Überblick über alle Möglichkeiten der Einrichtung und Ausstattung zu verschaffen.
Es ist ratsam, Ihre Vorstellungen zur Ausstattung niederzuschreiben und diese Notizen zum Bemusterungstermin mitzubringen. Zudem sollten Sie ausreichend Zeit und Geduld mitbringen: Freuen Sie sich auf den Tag, an dem Sie über die Innenausstattung in Ihrem Haus entscheiden. Je konkreter Ihre Vorstellungen bereits sind, desto leichter fällt es Ihnen, die Bemusterungsliste zusammenzustellen. Stellen Sie Fragen! Planen Sie zusätzliche Kosten ein.
Häufige Fragen zur Bemusterung: