Schimmelbildung durch beschädigte Dampfbremsen?

Vor einiger Zeit wurden Fertighausbesitzer und -käufer aufgescheucht, weil ein Fernsehsender in dramatischer Weise über Schimmelbildung in den Wänden älterer Fertighäuser berichtet hatte. Jedes Fertighaus sozusagen ein Bauschaden, so musste man folgern. Schuld am Schimmel sollen beschädigte Folien sein, die als Dampfbremsen in die Außenwände von Fertighäusern eingebracht sind. Solche Dampfbremsen kennt fast jedermann, weil sie auch beim Ausbau eines Dachgeschosses unabdingbar eingezogen werden müssen. Zu den Beschädigungen der Folien soll es gekommen sein, so der Tenor der Fernsehberichterstattung, weil die Hausbesitzer zusätzliche Steckdosen eingebaut hätten. 

Zur Panikmache besteht kein Anlass! In Skandinavien, wo fast jedes Haus ein Fertighaus ist, müssten Millionen Häuser verrottet sein, wenn das Schimmelmärchen zutreffen würde. Grund genug für unsere Fachredaktion, sich dem Thema sachlich zu nähern. 

Schimmel am häufigsten im Keller anzutreffen

Schimmelbildung ist meist kein Problem einer defekten, durchlöcherten Dampfbremse und schon gar nicht das alleinige Problem von Fertighäusern. Wo tritt am häufigsten Schimmel auf? Im Keller, und der ist auch bei Fertighäusern in Massivbauweise erstellt. Die Ursache von Schimmel ist meist woanders zu suchen und zwar bei Fertighäusern und Massivhäusern gleichermaßen. 


Zu Großvaters Zeiten waren die Häuser so gebaut, dass eine natürliche Belüftung stattfand, da feuchte Luft durch alle möglichen Ritze nach draußen gelangen konnte. Heutzutage müssen die Häuser winddicht gebaut werden (gesetzliche Auflage EnEV) und die Feuchtigkeit findet den Weg nicht mehr alleine nach draußen. Der Mensch oder die Maschine müssen dabei helfen. Das Stichwort heißt Lüften. Wie das richtig geht, können Sie bei uns nachlesen. Wird nicht richtig gelüftet, bildet sich Schimmel und zwar bevorzugt hinter Möbeln an Außenwänden. Den Schimmelsporen ist es dabei übrigens egal, ob es sich um die Wand eines Stein- oder Fertighauses handelt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich der feuchte Luftstrom seinen Weg durch undichte Stoßfugen von Bekleidungselementen in das Bauteilinnere bahnt. Dies nennt man dann Konvektion und ist viel häufiger Ursache von Schimmelpilzen als die Diffusion, die von der Dampfbremse geregelt wird. Auch ein zu hoch aufgeschüttetes Gelände für eine Terrasse kann zur Schimmelbildung führen. Die Feuchtigkeit kommt in diesem Fall von außen; eine schimmlige Wand kann bei Häusern jeder Art auftreten. Im Grunde ist also der Schimmelschaden fast immer ein Belüftgungsschaden. 

Dampfbremse muss stark zerstört sein

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Zurück zur Dampfbremse: Die Folie muss schon sehr stark zerstört sein, damit sich negative Auswirkungen bemerkbar machen. Das liegt an der Wirkungsweise einer Dampfbremse. Eine Dampfbremse hat die Aufgabe, wie auch der Name schon sagt, den Wasserdampf, der durch (fast) alle Baumaterialien diffundiert, abzubremsen. Dadurch kann nur begrenzt Wasserdampf in die Konstruktion ein- und austreten. Nicht immer kann trotz Dampfbremse verhindert werden, daß mehr Wasserdampf in die Konstruktion eintritt und zum Tauwasser wird. Baustoffe können bis zu gewissen Anteil aber auch Wasser vertragen - auch in der Fertighaus-Bauweise. Es ist jedoch wichtig, dass in der Sommerperiode die Möglichkeit der Verdunstung gegeben ist. Es muss mehr Wasser verdunsten können, als angefallen ist. Dies ist der Vorteil von Dampfbremsen, da die Feuchtigkeit auch wieder aus der Konstruktion heraus kann. Früher wurden meist Dampfsperren verwendet, bei denen die Feuchtigkeit, wenn sie, wie auch immer, in die Konstruktion gelangt war, nicht mehr entweichen konnte. Da war Schimmelbildung eher möglich. Dies ist heute nicht mehr der Fall und so brauchen Sie beim Bilder aufhängen überhaupt keine Bedenken zu haben, einen Nagel in die Wand zu schlagen. 

Steckdose als vermeintlicher Schwachpunkt beim Fertighaus

Als weiterer angeblicher Schwachpunkt von Fertighäusern wird die Steckdose genannt. Es wird behauptet, dass alle Fertighäuser, bei denen die Elektroinstallation nicht in einer separaten Installationswand oder mit einer luftdichten Steckdose ausgeführt ist, Fehlkonstruktionen sind. Wenn das so wäre, dürfte es die Mehrheit der älteren Fertighäuser überhaupt nicht mehr geben, da sie total verrottet sein müssten. Das Gegenteil ist der Fall, die meisten dieser Häuser haben überhaupt keine Probleme mit Schimmel. Dies liegt zum einen daran, dass die einzelnen Bauteile, wie oben bereits erwähnt, bis zu einem gewissen Grad Feuchtigkeit aufnehmen können, solange gewährleistet ist, dass die Feuchtigkeit im Sommer abtrocknen kann. Zum anderen ruft ein völlig winddichtes neues Haus gleich welcher Bauart bei fehlender Belüftung auch Schimmelbildung hervor. 


Ältere Fertighäuser nachträglich mit winddichten Dosen auszustatten, wäre nicht sinnvoll. Erstens haben die Häuser schon zwanzig, dreißig Jahre hinter sich und den meisten geht es blendend. Warum also etwas tun? Zweitens können Sie zwar winddichte Steckdosen anbringen, doch völlig dicht bekommen Sie ein älteres Fertighaus dadurch trotzdem nicht. Die Innenluft findet immer noch einen anderen Weg nach draußen. Die Menge der Luft bleibt gleich, aber die Intensität des Luftzugs nimmt immer weiter zu, je mehr Löcher Sie stopfen. Anders sieht es bei einer Geruchssanierung aus, wenn es darum geht, lästige Gerüche zu eliminieren. Hier kann es sinnvoll sein, eine winddichte Steckdose nachträglich einzubauen. 

Winddichte Steckdosen bei neuen Fertighäusern

Neue Fertighäuser werden mit winddichten Steckdosen ausgeführt, so dass von dieser Seite keine Schäden zu befürchten sind. Wollen Sie als "Neubesitzer" nachträglich eine Steckdose an einer Außenwand anbringen, gibt es häufig Bedenken, dass dabei die Dampfbremse beschädigt werden könnte. Kleinere Beschädigungen verkraftet die Dampfbremse, wie oben erläutert, ohne weiteres. Sie sollten jedoch darauf achten, dass Sie beim Bohren des Loches sorgsam vorgeht und nicht zu viel von der Dampfbremse zerstören. Durch die Steckdose selbst können keine Luftströme mehr fließen, da die Dose geschlossen ist und die benötigten Einfuhröffnungen für Leitungen und Rohre passgenau angelegt werden. Zusätzlich mit einer Dichtungsfolie ausgestattet, ist das System absolut winddicht. 


Was in der Diskussion um Bauschäden durch Schimmelbildung in Fertighäusern übersehen wird, ist die allen Bauexperten bekannte Tatsache, dass im herkömmlichen Massivbau 1.400 Liter Wasser mit "verbaut" werden. Das Wasser steckt vor allem im Mörtel, mit dem die Steine vermörtelt werden. Diese Großmenge Wasser muss erst einmal verdunsten, was angesichts der Schnellbauweise auch im Massivbau kaum vor Einzug der Bauherren gelingt, selbst dann nicht, wenn Bautrockner eingesetzt werden. Da natürlich auch Massivhäuser winddicht sein müssen entsprechend der EnEV, ist nicht auszuschließen, dass sich die Feuchte teilsweise weiterhin im Baukörper hält und einen guten Nährboden für Schimmelpilze bildet. Auch das sollte in der emotional geführten Diskussion nicht unerwähnt bleiben.

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