Wärmeschutz-Berechnung und U-Wert - für den Bauherrn verständlich gemacht |
Will man den Wärmeschutz
fachgerecht durchführen, muß man sich durch einen Berg von Begriffen
und Formeln arbeiten. Ohne ein naturwissenschaftliches Studium ist das
kaum zu bewältigen. Wir versuchen daher, hier alles auf das
Wesentliche zu reduzieren, so daß auch der Laie eine
Wärmeschutzberechnung durchführen kann.
Die Begriffe, die im Zusammenhang mit Wärmeschutz immer wieder
auftauchen, lauten Wärmeleitfähigkeit, Wärmedurchlaßwiderstand,
Wärmeübergangskoeffizient, Wärmedurchgangswiderstand und
Wärmedurchgangskoeffizient. Sie sehen, da kann man ganz schön ins
Schwitzen kommen! Aber keine Panik, nicht alles was Sie gerade gelesen
haben, müssen Sie sich merken. Genaue Definitionen und Formeln ersparen
wir uns an dieser Stelle zum größten Teil, denn diese irritieren den
Laien höchstens.
Die wichtigste Kennzahl im Zusammenhang mit dem Wärmeschutz eines
einzelnen Bauteils ist der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient,
Wärmedurchlässigkeit, U-Wert war früher der k-Wert). Er gibt
an, welche Wärmemenge (in kWh) durch eine Bauteilfläche von 100 m²
in einer Stunde transportiert wird, wenn zwischen innen und aussen ein
Temperaturunterschied von 10 Grad besteht. Je kleiner der Wert, desto
besser. (Physiker und Ingenieure bitte nicht melden, wir wissen, daß
die genaue Definition etwas anders lautet).
Damit Sie ein Gefühl für den Unterschied zwischen gut und schlecht
gedämmten Bauteilen bekommen, sind in der nachfolgenden Tabelle
Anhaltswerte für den U-Wert verschiedener Bauteile aufgeführt. Die
unter der Rubrik "sehr gut" aufgeführten Werte sind die Werte eines
Niedrigenergiehauses und damit Standard seit Gültigkeit der EnEV
(Energieeinsparverordnung) Februar 2002.
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U-Wert
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Bauteil
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sehr schlecht
|
schlecht
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mittel
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gut
|
sehr gut
|
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Dach
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1,00
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0,60
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0,30
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0,22
|
0,15
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Beispiel
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Keine oder maximal 4 cm Zwischen-
sparren- dämmung
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6 bis 10 cm Zwischen- sparren- dämmung
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12 bis 16 cm Zwischen- sparren- dämmung
oder 9 cm PUR- Aufsparren- dämmumg
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18 bis 20 cm Zwischen- sparren- dämmung
oder 12 cm PUR- Aussparren- dämmung
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27 bis 30 cm Zwischen- sparren- dämmung
oder 18 cm PUR- Aufsparren- dämmung
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Massivwand
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1,50
|
0,80
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0,50 (0,40 bei Aussen- dämmung)
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0,30
|
0,20
|
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Beispiel
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24 cm Vollziegel- mauerwerk mit Putz
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36,5 cm Leichthoch- lochziegel-
mauerwerk mit Putz
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36,5 cm Porenbeton mit Putz, innen
Gipsputz
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36,5 cm Ziegelmauer- werk mit 8 cm
PUR- Dämmung
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36,5 cm Ziegelmauer- werk mit 13 cm
PUR- Dämmung
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Fenster
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5,20
|
3,50
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1,80
|
1,40
|
1,20
|
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Beispiel
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Einscheiben- glas
|
Doppel- verglasung
|
Wärmeschutz- verglasung
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Moderne Wärmeschutz- verglasung
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Niedrig- energiehaus- fenster
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Nicht erwähnt wurden in der
obigen Liste Wände von Fertighäusern, dabei haben diese sehr
interessante U-Werte. Außenwände von Fertighäusern neuester Generation
in Holzfachwerk- oder Holzständerbauweise kommen bei einer Dicke von
nur 25 cm - 27 cm auf einen U-Wert von 0,17. Zum Vergleich: Eine
36,5 cm Massivwand aus Ziegelmauerwerk mit zusätzlich 13 cm
PUR-Dämmung kommt gerade auf einen vergleichbaren U-Wert, obwohl die
Wand etwa doppelt so dick ist.
Die Fertighaushersteller argumentieren durchaus richtig, daß bei einer
Grundfläche von 9 x 12 m für ein durchschnittliches eingeschossiges
Wohnhaus die Wohnfäche bei diesem Wandaufbau etwa 9 m² größer ist,
als bei der Variante Massivmauerwerk plus Dämmung.
Der wichtigste Begriff im Zusammenhang mit der Wärmedämmung ist die
Wärmeleitfähigkeit. Diese ist eine d i c k e u n a b h ä n g i g e
Stoffeigenschaft, und nicht zu verwechseln mit dem U-Wert. Die
Wärmeleitfähigkeit eines Stoffes gibt an, welche Wärmemenge (in kWh)
durch eine Baustoffläche von 100 m² und 1 m Dicke in einer Stunde
transportiert wird, wenn zwischen innen und außen ein Temperaturunterschied
von 10 Grad besteht. Wie beim U-Wert gilt: je kleiner der Wert, desto
besser.
In Deutschland werden die Dämmstoffe in Abhängigkeit von Ihrer
Wärmeleitfähigkeit in eine "Wärmeleitfähigkeitsgruppe" (Wärmeleitgruppe,
WLG) eingestuft. Diese Gruppe entspricht den Nachkommastellen der
Wärmeleitfähigkeit. Beispiel: Dämmung mit der Wärmeleitfähigkeit 0,030 hat
die Wärmeleitfähigkeitsgruppe WLG 030.
Um die Wärmedurchlässigkeit (U-Wert) eines Bauteils berechnen zu können,
benötigt man auch noch den Dämmwert der einzelnen Schichten. Im
Fachjargon nennt man diesen Wärmedämmwert Wärmedurchlaßwiderstand.
Damit wird der Widerstand einer Schicht gegen das Durchströmen von
Wärme angegeben. Zu seiner Ermittlung ist die Dicke der betreffenden
Schicht (in Meter) durch die stoffbezogene Wärmeleitfähigkeit zu
dividieren.
Bei mehrschichtigen Bauteilen ist für jede Schicht nach diesem
Rechenverfahren der Einzelwert festzustellen. Die Summe aller
Einzelwerte ergibt dann den Wärmedurchlaßwert bzw. Wärmedämmwert für
das gesamte Bauteil. Je größer der Widerstand, desto besser ist die
Wärmedämmung.
Auch r u h e n d e Luftschichten (keine strömende Hinterlüftungen)
haben in Abhängigkeit von Dicke und Neigung einen bestimmten Dämmwert.
Dieser Widerstand beträgt bei ruhenden Luftschichten bis 60 Grad
Neigung 0,16. Ist die Schicht mehr als 60 Grad geneigt 0,18. Diese
Werte müssen bei der Berechnung des Gesamtwiderstand berücksichtigt
werden.
|
Komplizierter wird die Berechnung des U-Werts, wenn bei Bauteilen die
Wärmedämmung unterbrochen ist. Bei Dächern z.B. bei der
Zwischensparrendämmung ist dies der Fall. Hier müssen zwei Bereiche
untersucht werden. Zum einen das Gefach, wo die Wärmedämmung liegt und
zum anderen die Rippe, welche die Wärmedämmung unterbricht. Die Rippen
(also der Sparren oder der Balken) werden nur in der Dicke der seitlich
anliegenden Wärmedämmung berücksichtigt. Dampfsperren und
Abdichtungsbahnen werden bei der Wärmeschutzberechnung nicht
berücksichtigt.
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Folgende Formeln zur Berechnung
des Wärmeschutzes eines Bauteils ergeben sich mit den obigen
Erläuterungen:
Den Dämmwert einer Schicht, genannt Widerstand (Wärmedurchlasswiderstand)
berechnet man mit folgender Formel:
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 |
Hat das Bauteil mehrere
Schichten, muß man alle Schichten (auch ruhende Luftschichten, siehe
oben) zum Gesamtwiderstand (Wärmedurchgangswiderstand) addieren:
|
 |
Die Wärmedurchlässigkeit
(den U-Wert) eines Bauteils berechnet man aus dem Kehrwert des
Gesamtwiderstandes:
|
 |
Kommen Gefach und Rippe hinzu,
ergibt sich folgende Formel für die Wärmedurchlässigkeit:
|
 |
Nun müßten Sie in der Lage
sein, eine Wärmeschutzberechnung selbst durchzuführen.
Die Wärmeleitfähigkeit einiger wichtiger Bauteilschichten finden Sie
in der nachfolgenden Tabelle. Wenn Sie Werte vermissen, schauen Sie
in einschlägigen Tabellen des Bauwesens nach oder fragen Sie den
Hersteller oder Lieferanten des Baustoffs.
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Bezeichnung
|
Wärmeleitfähigkeit
|
Bekleidungen / Platten
|
Gipskartonplatten
|
0,25
|
Holzschalung (Nadelholz)
|
0,13
|
Spanplatten (Flachpress)
|
0,13
|
(Standard-Bekleidung)
|
0,35
|
Innenputze
|
Gipsputz
|
0,70
|
Gipsputz ohne Zuschlag
|
0,35
|
(Standard-Innenputz)
|
0,90
|
Tragwerk
|
Kalksandstein-Mauerwerk, 1600 [kg/m³]
|
0,79
|
Leichthochlochziegel-Mauerwerk, 900 [kg/m³]
|
0,42
|
Porenbeton 600 [kg/m³]
|
0,19
|
Sparren / Rippen aus Nadelholz
|
0,13
|
Stahlbeton
|
2,1
|
Vollziegel-Mauerwerk, 1600 [kg/m³]
|
0,68
|
(Standard-Mauerwerk)
|
1
|
Dampfbremsen
|
Glasvliesbitumendachbahnen V 13
|
0,17
|
Wärmedämmungen
|
Holzfaserdämmplatten, WLG 050
|
0,050
|
Mineralwolle WLG 035 ("Glas- o. Steinwolle")
|
0,035
|
Mineralwolle WLG 040 ("Glas- o. Steinwolle")
|
0,040
|
Polystyrol (PS 20 SE) ("Styropor") WLG 040
|
0,040
|
PUR-Hartschaum, WLG 030
|
0,030
|
FOAMGLAS®-Platten T4-040
|
0,040
|
isofloc Zellulose-Dämmstoffe WLG 040
|
0,040
|
Schafwolle-Dämmmatten DWS 8 / 90
|
0,044
|
(Standard-Wärmedämmung)
|
0,040
|
Außenputze
|
Kalkzementputz
|
0,87
|
Kunstharzputz
|
0,70
|
(Standard-Außenputz)
|
0,90
|
|
 
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