Baum vors Haus pflanzen oder lieber nicht?

Index

    Das neue Haus steht und auf dem eigenen Grund herrscht fast immer noch eine gewisse Öde. Wie es hinter dem Haus aussieht, das fällt von außen zunächst nicht so auf. Aber vor dem Haus, da sollte so schnell wie möglich was Blühendes hin. Dabei taucht aber auch die Frage auf, ob man in den Vorgarten einen Baum pflanzen sollte oder lieber nicht.

    Die alte Redensweise „Ein Mann muss drei Dinge im Leben tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen“ bewahrheitet sich bei den meisten Bauherrn fast von selbst. Über 90 % lassen ein Eigenheim für ihre Familie mit Kindern errichten (wobei das ja nicht nur Söhne sein müssen) und einen Baum in den Garten hinter dem Haus pflanzen. Aber wie ist es mit einem Baum vor dem eigenen Haus, wie unsere Vorfahren ihn ja oft gepflanzt haben? 

    Wer mit 40 Jahren ein Haus kauft, will darin ja auch noch mit 60, 70 oder 80 Jahren leben und sich nicht unbedingt hinter Kiefern, Fichten oder Leyland-Zypressen verstecken. Von einer Verschattung des Hauses ganz zu schweigen.

    Eichen, Linden, Kiefern, Fichten gehören nicht in den Vorgarten

    Grundstücke sind heutzutage teuer und dementsprechend das Bauland klein. Wer in den Garten oder Vorgarten eines nur 300 oder 500 m² großen Grundstücks eine Eiche oder Linde pflanzt, der weiß um die Symbolkraft dieser Bäume Bescheid. Die Eiche steht für Stärke und Wahrhaftigkeit, die Linde für Liebe, Güte und Gastfreundschaft. Kein Wunder, dass es in allen Bundesländern „Lindenwirte“ gibt, deren Linden in oder vor einem großen Schanigarten stehen. Symbolkraft hin oder her: Solche Bäume wachsen mit ihren Kronen über Nachbargrundstücke oder, falls sie in Vorgärten stehen, über Bürgersteige oder gar Straßen. Und damit ist der Ärger vorprogrammiert – entweder mit den Nachbarn, dem Rathaus oder beiden.

    pw-Baum im Herbst

    Was Sie auf dem Foto (hier oben) sehen, ist ein gewaltiger Ahorn, der dicht an einem Gebäude hoch wächst. Der Ahorn hatte sich 1992 selbst ausgesät (wahrscheinlich über Vogelkot) und die Besitzer des Gebäudes hatten ihn vor sich hin wachsen lassen. In nur 22 Jahren ist aus dem Mini-Bäumchen ein 12 m hoher Baumriese geworden, der sich viel zu nah an der Hauswand befindet. Bis heute mochte sich der Eigentümer nicht dazu entschließen, den Baum fällen zu lassen, obwohl er alle zwei Jahre ein Spezialunternehmen kommen lassen muss, um Zweige, die gegen die Hauswand schlagen und den Putz abschaben, kappen zu lassen.

    Da das Gebäude nicht unterkellert ist, konnte in diesem Fall das Wurzelwerk dem Keller nichts anhaben. Steht das Haus auf einem Keller und der Baum zu nahe am Gebäude, haben die Wurzeln großer Bäume schnell die Perimeterdämmung durchbohrt. Auch das gilt es also zu bedenken.

    Alternative für Vorgärten: Kleinwüchsige Bäume, vor allem Salix

    Alternative für Vorgärten: 
    Kleinwüchsige Bäume, vor allem Salix

    Kugelbaum im Vorgarten

    Kugelbäume waren einmal ein Renner in den Baumschulen und Gartenmärkten. Das hat sich gelegt, seit man die Erfahrung gemacht hat, dass Kugel-Ahorn (siehe Foto) oder Kugel-Robinie, der Kugel-Trompetenbaum, die Hänge-Maulbeere oder die Echte Hängebirke Kronen bilden können, die vier bis sechs Meter breit werden und dann doch über den Bürgersteig ragen oder den Carport des Nachbarn ankratzen. Was aber soll man tun, wenn man schon nicht einen Baum, aber doch wenigstens ein Bäumchen in seinem Vorgarten stehen haben will? Da gibt es Bäume in Säulenform, die man in eine Ecke des Vorgartens pflanzen kann und die weder die Nachbarn stören noch die Solaranlage auf dem Dach beeinträchtigen. Das sind vor allem Zierkirschen, Hainbuchen, Ebereschen und Weißdorn in Säulenform.

    Roter FächerahornFächerahorn

    Sehr hübsche Auflockerung des Vorgartens versprechen auch verschiedene Sorten des Japanischen Fächerahorns (Fotos oben) oder des Schlitzahorns. Je nach Sorte haben sie rote, goldene, grüne oder zweifarbige Blätter von goldfarben bis rosa. 

    Salix

    Ihrer Struktur nach wirken sie oft eher als Sträucher, denn als Bäume, was aber dem Vorgarten herzlich egal ist. Ein Sonderfall ist zweifellos die Weide, wohl jedermann bekannt als riesig werdende Trauerweide und als Lieferant für Weidenruten, aus denen Körbe geflochten werden. Es gibt aber zahlreiche Varietäten, die kleinwüchsig sind und sogar Züchtungen, bei denen die Blattspitzen andersfarbig austreiben und so aussehen, als wären es Blüten. Wer eine solche „Salix“ (Sammelname für viele dutzend Weidensorten) in seinen Vorgarten setzt, sorgt für eine zweifarbige Belebung und hat die Gewissheit, dass die Salix dem Hausbesitzer nicht über den Kopf wächst.