Das Umweltbundesamt weist auf ein neues Umweltzeichen für Möbel und andere Holzprodukte hin, das seit Mitte 1999 beantragt werden kann. Der neue "Blaue Engel" ersetzt das alte Umweltzeichen für formaldehydarme Holzprodukte und berücksichtigt neben der Ausdünstung von Formaldehyd auch die Emissionen anderer Schadstoffe während der Nutzungsphase. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat hierfür im Auftrag des Bundesumweltamtes eine neue Prüfmethode für das Emissionsverhalten von Produkten entwickelt. Darüber hinaus enthalten die Vergaberichtlinien Standards für eine umweltverträgliche Herstellung und Entsorgung. Es ist zukunftsweisend, daß das neue Umweltzeichen Anforderungen an die Nutzungszeit (geringe Emissionen in die Innenraumluft) mit Anforderungen an den Lebensweg der Produkte (umweltverträgliche Herstellung und Entsorgung) verknüpft. Das Umweltbundesamt apelliert an die Hersteller, das neue Umweltzeichen zu beantragen.
Viele Möbel, Paneele und andere Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen sind aufgrund ihrer großen Oberfläche und ihrer langen Lebensdauer eine wesentliche Quelle für Schadstoffausdünstungen in Innenräumen. Vor allem aus Gründen des Designs werden immer mehr verschiedene Materialien eingesetzt, wodurch die Zahl der Substanzen steigt, die möglicherweise während der Nutzungszeit ausdünsten. Daher beziehen sich die wesentlichen Anforderungen für das neue Umweltzeichen auf das Emissionsverhalten der Produkte in der Wohnung. Zu dessen Ermittlung ist eine leistungsfähige Analytik erforderlich. Das dafür entwickelte Prüfverfahren der BAM orientiert sich an den neuesten internationalen Entwicklungen auf dem Gebiet der Emissionsprüfung von Produkten. Erstmals in Deutschland wird hiermit ein derartiges Verfahren als Grundlage für die Vergabe einer unabhängigen Kennzeichnung eingeführt. Neben den Kandidaten für den "Blauen Engel" werden auch die Möbel mit dem Gütezeichen der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel nach dieser Prüfmethode untersucht. Das Konzept zur Kennzeichung emissionsarmer Produkte ist darüber hinaus auf weitere Produktgruppen übertragbar.
Neben niedrigen Emissionen während der Nutzungszeit müssen die Bewerber für das neue Umweltzeichen folgende Voraussetzungen erfüllen: Die Produkte müssen überwiegend aus der nachwachsenden Ressource Holz bestehen. Bei der Herstellung müssen wesentliche Elemente einer "Cleaner production" berücksichtigt werden, zum Beispiel darf der Lösemittelgehalt von Lacken und Beschichtungen bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Und am Ende der Produktlebenszeit dürfen bei der Entsorgung keine Schadstoffe freigesetzt werden. Auf diese Wiese wird der gesamte Lebenszyklus der Produkte bei der Bewertung betrachtet.
Damit werden Forderungen der Umweltminister der Europäischen Gemeinschaft berücksichtigt. Bei ihrem Treffen in Weimar im Mai 1999 stimmten sie darin überein, daß die Umweltpolitik der Gemeinschaft stärker als bisher den Umwelteffekten Beachtung schenken müsse, die mit dem gesamten Lebenszyklus von der Herstellung über die Verwendung bis zur Entsorgung von Produkten verbunden sind. Nur so kann es gelingen, trotz Wirtschaftswachstums und höheren Konsums den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Verwendung von umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffen zu verringern.