Sehr geehrte Familie Muster,
wir sind uns nicht ganz darüber im Klaren, ob sich in Ihrer Wohnung ein fortwährendes zwischenmenschliches Trauerspiel ereignet, das in oftmaligem Gebrüll (Gekreische und Gezeter) endet - oder ob Sie für eine furioses Drama üben mit drastischen Dialogen wie "Du Miststück!", "Du Schlampe!", "Du gemeiner Kerl", "Du alter Saufkopp" usw., usf.
Jedenfalls wird unsere Familie - und nicht nur sie - zu unfreiwilligen Zuhörern dieser dramatischen Dialoge, die sich in letzter Zeit steigern und sogar nachts in eine Art Spätvorstellung für alle Nachbarn münden.
Nun bewohnen wir unsere Wohnung (unser Haus) ja nicht, um Zwangszuhörer ehelicher (zwischenmenschlicher) Auseinandersetzungen zu sein, weshalb wir Sie bitten möchten, Ihre lautstarken Auseinandersetzungen in einen Saalbau zu verlagern, wo Sie vor Publikum auftreten und vielleicht sogar Eintritt verlangen können.
Eine andere Lösung wäre, daß Sie sich die gegenseitigen Beschimpfungen nur noch schriftlich an den Kopf werfen, die Blätter sammeln und mit dem Fundus dieser Verbalinjurien ein Schimpfwörter-Lexikon herausgeben. Dann hätten wir alle etwas davon. Wir hätten unsere Ruhe und Sie würden als Autoren sicherlich in die Literaturgeschichte eingehen.