Die Energieeinsparverordnung (EnEV) fordert die
dauerhaft luftundurchlässige Gebäudehülle. Läßt man einmal beiseite, ob
dies positiv oder negativ zu bewerten ist, gibt es einige Dinge, die
beachtet werden müssen und einige typische Fehlerquellen. Weiterhin ist
ungeklärt, was dauerhaft bedeutet. In Rom stehen einige Gebäude, wie das
Pantheon, die Tausende von Jahren alt sind - diese sind dauerhaft. Wenn
das Gebäude nicht ganz so lange dicht hält, wird der Hausbesitzer sicher
nicht böse sein. Länger als fünf Jahre, solange ist die Mängelhaftung,
sollten Kerzen im Haus ohne flackern zu müssen mindestens brennen können.
Von einer dauerhaften Luftdichtigkeit erwarten die meisten Bauherren aber
sicherlich mehr als fünf Jahre, so daß mancher Ärger und manche
Gerichtsverhandlung vorprogrammiert scheint.
Die Luftdichtheit läßt sich mit dem Blower-Door-Test überprüfen, der
inzwischen von zahlreichen Anbietern angeboten wird. Laut
Energieeinsparverordnung hat der Bauherr Anrecht auf eine luftdichte
Gebäudehülle. Liegt beim Test daher die Luftwechselrate bei
Fensterlüftung über 3,0/h oder über 1,5/h bei Lüftungsanlagen, läßt sich
ein Baumangel geltend machen. Doch wer ist Schuld an der undichten
Gebäudehülle: die schlampigen oder unwissenden Handwerker, ein Bauleiter,
der nicht aufgepaßt hat oder der Planer, der die Funktionsschicht falsch
vorgesehen hat? Die Funktionschicht ist die Schicht, die für lückenlose
Luftdichtheit bei allen wärmeübertragenden Bauteilen sorgt. Besonders
gefährdet für Lecke in der Funktionsschicht sind Bauteilgrenzen und
Anschlüsse, die daher besonders sorgfältig geplant und ausgeführt werden
müssen.
Bei massivem Mauerwerk läßt sich die Funktionsschicht durch den
Innenputz herstellen. Der Putz muß dann allerdings überall sein, doch
häufig werden Stellen ausgespart. Das kann zum Beispiel ein Schornstein
aus porösem Material sein, der nur mit Gipskartonplatten verkleidet wird.
Ein Schornstein sollte rundherum luftdicht eingepackt werden. Dies muß
vor dem Aufbau der benachbarten Wand geschehen. Luftdicht wird der
Schornstein durch Verputzen oder durch eine Folie. In diesem Falle sollte
man zuvor jedoch den Schornsteinfeger um Rat fragen. Häufig sind
Schornsteine auch hinterlüftet. Die Hinterlüftung verhindert, daß sich
Feuchtigkeit im Schornstein ansammelt und der Wasserdampf abgeführt wird.
Leider stellt sie auch eine erhebliche Luftundichtigkeit des Gebäudes dar.
Ob auf eine Hinterlüftung notwendig ist, hängt auch von der Temperatur der
Abgase ab. Je niedriger die Temperatur, desto größer die Kondensatbildung
und desto eher benötigt man eine Hinterlüftung. Wenn es irgendwie geht,
sollte jedoch auf eine Hinterlüftung verzichtet werden, jedoch nicht auf
Kosten einer Versottung des Schornsteins (über Versottung können Sie sich
hier informieren).
Stellen, die bei massivem Mauerwerk häufig ebenfalls nicht verputzt
werden, liegen hinter Gipskartonplatten oder anderen Ausbauplatten. Dies
ist jedoch falsch, denn durch das Mauerwerk gelangen Luftströme hinter
die Platten und bei den Plattenstößen bzw. bei Durchdringungen wie
beispielsweise Steckdosen findet sich immer ein Leck. Auch der Kniestock
wird häufig nicht verputzt, sondern mit Platten verkleidet. Hier sind
dann ebenfalls luftundichte Stellen zu finden. Die Luftdichtigkeitsfolie
sollte daher aus der Dachkonstruktion über den Kniestock hinweg bis zum
Estrichanschluss geführt werden. Dies wird oft jedoch nicht gemacht,
weil die Dachhandwerker den Kniestock nicht automatisch zu ihrem
Arbeitsbereich zählen. Wird der Dachraum nicht ausgebaut, bleibt er also
unbeheizt, kann eine offene Wand Grund für Luftundichtigkeit sein. Über
undichte Steckdosen gelangt beheizte Luft ungehindert nach draußen.
Zudem bildet die Wand nach oben eine Kältbrücke. Als Lösung bietet sich
ein Folienstreifen über der Wand an, der luftdicht an die vorhandene
Luftdichtigkeitsschicht angeschlossen wird.
Bei Fertighäusern in Holzrahmenbauweise wird die Funktionschicht nicht
durch Verputzen hergestellt, sondern mit verspachtelten
Gipsausbauplatten oder Kunststofffolien. Das Problem bei
Gipsausbauplatten sind die Leckstellen durch Steckdosen, Kabel oder auch
Schrauben und Nägel, die der Bewohner zum Aufhängen von Bildern oder
Schränken in die Wand bohrt oder schlägt. Man kann zwar Steckdosen vollflächig eingipsen und damit luftdicht
machen, aber insgesamt gibt es bei Gipsausbauplatten sehr viele
Fehlerquellen, die ein sorgfältiges Arbeiten und Planen notwendig machen.
Sicherer ist daher die Arbeit mit Kunststofffolien, zumal bei gedämmten
Holzkonstruktionen sowieso meist eine Dampfsperre raumseits verlegt wird,
so kann man beides kombinieren. Um zu verhindern, daß die Folie durch
Sanitär- und Elektroinstallationen verletzt wird, sollte eine
Installationsebene ausgebildet werden. Das bedeutet, dass die
Ausbauplatten nicht direkt auf der Folie befestigt werden, sondern
sondern eine Unterkonstruktion Platz schafft zwischen Folie und Platte.
Sollte die Folie dennoch mit einem Kabel durchdrungen werden müssen, gibt
es Luftdichtungsmanschetten, die Luftdichtheit garantieren.
Die Dampf- und Luftsperre besteht aus Bahnen, die an den überlappenden
Stößen mit geeigneten Klebebändern verklebt werden müssen. Häufig werden
die Klebebänder von den Herstellern der Folie bzw. des Dämmstoffs
bereits mitgeliefert. Das ist am besten, da man dann weiß, daß die
Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Es gibt jedoch auch Hersteller
aus der Klebstoff- bzw. Kunststoffbranche wie Klöber, Dörken oder DuPont,
die geeignete Klebe- bzw. Dichtbänder herstellen. N i c h t geeignet ist
auf jeden Fall normales Paketklebeband. Viele Fehlerquellen liegen auch
beim Anschluss von anderen Bauteilen wie beispielsweise Fenster bzw.
Dachfenster.
Fenster werden häufig einfach mit Bauschaum montiert, der jedoch weder
luft- noch diffusionsdicht ist. Ansonsten gibt es verschiedene
Möglichkeiten, den Anschluß der Fenster zum Baukörper abzudichten.
Verschiedene Hersteller bieten verschiedene Systeme an. Allgemeiner
Stand der Technik ist die Abdichtung auf drei Ebenen - innere, mittlere
und äußere Abdichtung. Das Prinzip dabei lautet: "innen dichter als
außen". Als äußere Abdichtung verwendet man zum Beispiel
vorkomprimiertes Dichtungsband oder Fensterfolie. Die mittlere
Abdichtung erfolgt beispielsweise mit Fensterschaum und für die innere
Abdichtung wird gewebeverstärkte, reißfeste Aluminiumfolie,
Fenster-Butylband oder Anschlussfugen-Silikon verwendet.
Dachfenster müssen ebenfalls an die Lufdichtheitsebene angeschlossen
werden, dies stellt sich manchmal als größeres Problem dar.
Vereinfachungen bringen passende Anschlussschürzen wie beispielsweise
die Dampfsperrschürze BBX von
Velux.
Die Dachkonstruktion ist für die
Montage unerheblich. Durch integrierte Montageklemmen kann die
Dampfsperrschürze schnell und problemlos im Fenster-Blendrahmen montiert
werden. Auch bei der Gurtdurchführung bei Rolladen tritt häufig Luft in
das Gebäude ein. Auch hier werden von der Industrie gute Lösungen
angeboten. Übrigens tritt durch Leerrohre bei Elektroantrieben häufig
mehr Luft ein, als bei konventionellen Gurtdurchführungen.
Ein weiterer heikler Punkt bezüglich Luftdichtheit ist der Übergang
zwischen Dachkonstruktion und Giebelwand. Zum einen treten durch Stoß-
und Lagerfugen Undichtigkeiten auf. Zum anderen ist die Dachkonstruktion
immer in Bewegung, weshalb die Folie nicht stramm gelegt werden darf,
sondern eine Bewegungsreserve benötigt. Bei Neubauten wird die Folie
meist mit eingeputzt. Sind die Putzarbeiten bereits abgeschlossen, wird
von der DIN 4108 Teil 7 beispielsweise eine Lösung mit Anpresslatte und
vorkomprimiertem Dichtungsband vorgeschlagen. Es gibt aber auch
Spezialkleber für das Verkleben von Folien auf Wandputz, Ziegel, Beton
oder Holz. Dafür ist keine Anpresslatte notwendig. Es ist jedoch
unbedingt darauf zu achten, daß lückenlos verklebt wird. Es reicht nicht,
punktweise die Folie zu befestigen, um so Kleber zu sparen. Die Luft
findet jede noch so kleine Ritze und sorgt für zugige Bedingungen im
Gebäude. |