Fachwerkgefache mit Holzstakung und Lehm

Wer ein altes Fachwerkhaus kaufen und dann sanieren will (und davon träumen hunderttausende Bundesbürger), steht vor einer großen Aufgabe. Die ideale Sanierung ist die, die dem Urzustand am nächsten kommt. Und wenn das Fachwerkhaus unter Denkmalschutz steht, führt sowieso kein Weg an an der originalgetreuen Restaurierung vorbei. Originalgetreu heißt nicht nur, daß die Optik "wie früher" sein muß, sondern daß auch die Baumaterialien "wie früher" sein müssen. Es ist also nicht möglich, etwa eine alte Holzstakung herauszureißen und stattdessen etwa Porenbetonsteine oder gar irgendwelche Leichtbauplatten einzubauen. Das könnte zu großen Schäden am Fachwerk führen. Wenn wir Ihnen nun hier zeigen, wie Sie Lehm für die Restaurierung verarbeiten, so sei aber dennoch der Hinweis erlaubt, daß die Industrie natürlich Lehmbaustoffe in fertiger Mischung anbietet, die für solche Weiterverarbeitung absolut geeignet sind.

Was ist Lehm? Lehm ist ein Verwitterungsprodukt aus einer Mischung von Ton, Schluff (Ton mit Korngrößen von 0,002 bis 0,06 mm), Sand, Kies (ab 2 mm Korngröße)

bindige Bestandteile sind: Ton und Schluff
sogenannte rollige Bestandteile sind: Sand und Kies

magerer Lehm:
10% Tonanteil
geringere Bindekraft
geringere Wasseraufnahmefähigkeit
geringeres Quell- und
Schwundverhalten

fetter Lehm:
über 20% Tonanteil
höhere Bindekraft
höhere Wasseraufnahmefähigkeit
höheres Quell- und
Schwundverhalten

 

Früher war Lehm ein sehr beliebter Baustoff, weil er günstig und schnell verfügbar war. Viele Gemeinden hatten eine eigene Lehmgrube. Später wurde der Lehm durch neuere Baustoffe immer mehr verdrängt. Doch Lehm hat auch gute Eigenschaften. Ein großer Vorteil von Lehm ist es, daß er Luftfeuchte aufnimmt, speichert und bei trockener Witterung wieder abgibt. Man kann mit einem ziemlich konstanten Wert von 45% relativer Luftfeuchtigkeit rechnen, auch bei Einsatz der Zentralheizung. In "modernen" Häusern schwankt der Wert dagegen zwischen 20 - 70%.

Jedoch ist Lehm ein besonderer Baustoff, der nicht immer einfach zu verarbeiten ist. Es empfiehlt sich zunächst mit kleineren Übungen und Arbeitsschritten anzufangen, um sich mit dem Material vertraut zu machen. Empfehlenswert ist es auch ein Lehmbauseminar, beispielsweise bei der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., Postfach 1251, 28865 Lilienthal, Tel.04792-7834, zu besuchen.

Lehmvorkommen gibt es an den verschiedensten Orten - daher ist Lehm nicht gleich Lehm und verhält sich immer anders. Wichtig ist die richtige Korngrößenverteilung. Der Kalkgehalt sollte nicht zu hoch sein, da der Lehm sonst ausflockt und seine Bindekraft verliert. Solchen sehr kalkhaltigen Lehm bezeichnet man als Mergel - er ist in der Regel hellgrau bis weiß in der Farbe. Meist ist die Lehmfarbe eher gelblich bis braun, was an den im Lehm eingeschlossenen Eisenverbindungen liegt. Was die Verarbeitung von Lehm erschwert ist der Umstand, daß es bei der Trocknung von Lehm immer Schwund gibt. Daher ist es nur die Frage, wie man das Ergebnis optimieren kann.

Hier ein paar Tips:

  • die Verarbeitung 4 - 6 Wochen vor Einsetzen des ersten Frostes einstellen, da Lehm erst frostbeständig ist, wenn er ganz durchgetrocknet ist


  • vor Regen schützen (mit Plane abdecken)


  • zu schnelles Austrocknen bei heißem Wetter führt zu Spannungsrissen (feuchtes Sackleinen vor die Wand hängen)


  • bedeckte, feuchte Wetterlage ist ideal für die Verarbeitung


  • die Oberfläche ist in einer Woche trocken - durchgetrocknet ist der Lehmschlag in ca. zwölf Wochen


  • meist ist der Lehm zu "fett" , d.h. der Tonanteil liegt über 20%. Dann muß man scharfen (gebrochenen) Sand zugeben, so daß der Tonanteil auf ca. 10% sinkt


  • um Spannungsrisse zu verhindern, sollte man Stroh (auf 5 - 10 cm gehäckselt) zugeben


  • Lehm, Sand, Wasser und Stroh gut durchmischen

Ausstaken und Flechtwerk

 


Zeichnung 1a


Zeichnung 1b


Zeichnung 1c

 

Staken sind die senkrechten Hölzer (Zeichnung 1b) in den Gefachen, um welche die Ruten (Zeichnung 1c) geflochten werden. Wenn man neue Stakhölzer braucht, sollten diese aus gespaltenem Eichenholz sein. Man kann auch alte Eichendachlatten verwenden (Breite ca. 2,5 - 3 cm). Jede Stake muß einzeln eingepaßt und auf Länge geschnitten werden. Die eingeflochtenen Ruten (Weide, Haselnuß, Faulbaum) sollten nicht zu dick sein, damit sie nicht zu sehr auftragen. Engeres Flechtwerk bietet der Lehmmasse mehr Halt als weitmaschiges.

Der Lehmschlag

Zwei Leute müssen das Flechtwerk des Faches beidseitig von unten nach oben mit Lehm bewerfen. Wenn man ein Putzbrett dagegenhält, dann fällt der Lehm nicht auf der anderen Seite wieder heraus. Mit der Faust nachdrücken und ca. 1,5 cm Tiefe übrig lassen für den Putz. Nach der ersten Trockenphase den Schwund, der durch heruntergerutschten Lehm entsteht,nacharbeiten.

Das Putzen der Lehmgefache

Kalkmilch oder Kalkpuder mit dem Putzbrett in den noch feuchten Lehmputz einreiben. Das bringt die nötige Haftung für die Putzlage. Dann den Untergrund mit Wasser anfeuchten (nicht durchnässen). Den Kalkputz dünn mit der Kelle anwerfen. Gegen das Abplatzen in spitz zulaufenden Ecken hilft die Zugabe von Kuh- bzw. Rehhaaren, oder gleichwertigen Fasern. Es ist besser zweimal zu putzen, als zu dick aufzutragen. Die Putze können naß in naß aufgebracht werden.

Ein bewährtes Rezept für einen zweilagigen Putz auf Lehmsteinen oder Strohlehm: Mischungsverhältnisse nach DIN 18550 in Raumteilen (RT)

Spritzbewurf

1 RT

Zement Z35

 

3 RT

Sand 0-4 mm
(P IIIb gemäß DIN 18550)

Unterputz

1 RT

Sumpfkalk
(Luftkalk gemäß DIN 1060)

 

0,1 RT

Zement Z35

 

3,5 RT

Sand 0-4 mm

Oberputz

1 RT

Sumpfkalk

 

0,1 RT

Zement Z35

 

3,5 RT

Sand 0-2 mm
(P Ia gemäß DIN 18550)




© pw-Internet Solutions GmbH, Mönchengladbach Tel. 02161-9936-0